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Studien zum griechischen Märchen
Entstehung
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EINLEITUNG

Michael G. Meraklis ist 60 Jahre alt geworden. 1932 in Kalamata geboren,der Geburtsstadt des Gründers der Neugriechischen Volkskunde, NikolaosPolitis, gehört er heute zu den bedeutendsten Vertretern des Faches inGriechenland, charakterisiert vor allem durch seine vielfältigen methodi-schen Zugänge zu den Forschungsgegenständen. Meraklis ist zugleich einerder bedeutendsten griechischen Literaturkritiker und Philologen; er hatzahlreiche Arbeiten zur Klassischen Philologie, zur Byzantinischen, aber vorallem zur Neugriechischen Literatur veröffentlicht. Sein wesentlich anthro-pologischer und soziologischer Forschungsansatz, seine stupende Quellen-kenntnis( Altphilologie, Byzanz, neugriechische Literatur und Philologie,internationale Fachliteratur) sowie der vorurteilslose Gebrauch aller Artenund Sparten von Kulturquellen( Volkskundliche Handschriften, Zeitungenund Zeitschriften, mündliche Autobiographien, Trivialliteratur, Hochlitera-tur) führen dazu, daß er Volkskunde als Kulturwissenschaft im breitestenSinne betreibt, und zwar nicht nur synchronisch als Stadt- und Landvolks-kunde, sondern auch diachronisch, als nationale und manchmal auch inter-nationale Volkskunde, vom Altertum über Byzanz in die langen Jahrhunderteder Türkenherrschaft und bis herauf zur allerletzten Gegenwart. Ein von derBeschäftigung mit Literatur ständig geschärftes Sensorium und feines Ge-spür für Zusammenhänge und Bedeutungen sowie die geistige Tendenz,Detailerscheinungen ins Allgemeine zu überführen, lassen viele seiner reifenWerke kulturphilosophische Dimensionen annehmen. Durch das Einarbei-tung mehrerer methodischer Ansätze und das ständigen Überkreuzen meh-rerer Sichtperspektiven gewinnen auch die Arbeiten in komplexem Kultur-feld( wie z. B. die Athener Stadtvolkskunde) eindringliche Plastizität undÜbersichtlichkeit. Mit dieser Arbeitsweise steht Meraklis in der heutigengriechischen Volkskunde ziemlich vereinzelt da. Sein Buch zur rezentengriechischen Volkskultur 1973 war in dieser Hinsicht wegweisend. DasÜbereinanderlegen und die Nutzung verschiedener Quellenschichten( so-wohl zeitlich wie auch soziologisch) hat dann vor allem in seiner dreibän-digen Griechischen Volkskunde zu unerwarteten Neueinsichten geführt unddem Fach auch jenseits des Einbruchs der Englischen Kulturanthropologie,die sogar zur partiellen Verleugnung des Fachtitels geführt hat, neue metho-dische Ziele gesteckt.

Meraklis hat sich spezifisch und intensiv mit allen Gattungen der Volkslite-ratur auseinandergesetzt, am meisten und intensivsten aber mit dem Mär-chen. Dabei kommt ihm die literaturwissenschaftliche Schulung und dieästhetische Sensibilität des Literaturkritikers zustatten, so daß sein Zugangzu diesen Texten sich von der üblichen Märchenforschung oft unterscheidet.Sowie seine literaturkritischen und philologischen Arbeiten häufig eineanthropologische und kulturwissenschaftliche Interpretationsbasis besitzen,

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