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Europäische Volksliteratur : Festschrift für Felix Karlinger
Entstehung
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erhalten stehen blieb und, Heiliger Geórgios von der Braut" genannt wird,weil es mit den Goldstücken der Braut erbaut wurde.

Es verging ziemlich viel Zeit. Dann aber entkam die Tochter mit Hilfe desBefreiers der Unterjochten, den sie jeden Tag darum bat, den Händen derPiraten und kehrte in ihr Dorf zurück.

Sogleich ging sie in ihr Haus und fand ihre Mutter vor, die trauernd aufder Türschwelle hockte. Die Tochter sagte ihr, Guten Tag" und fragte sie,ohne sich erkennen zu geben: Warum wohl, Frauchen, bist du so bitter-betrübt?"

,, Was könnte ich dir da sagen, mein Mädchen, meiner Leiden und Qualensind so viele, daß sie sich nicht aussprechen lassen. Ich hatte eine Tochterund die Piraten haben sie mir vierzig Tage nach ihrer Hochzeit geraubt.",, Und wer webt wohl jetzt an dem Webstuhl?"

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Nun drehte die Alte sich um und betrachtete den Webstuhl mit der halb-fertigen Decke, an dem früher ihre Tochter webte und sie begann zusingen:

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,, Zierde mein, als ich dich schmückte,

dich mit feinem Stich bestickte

"

So weit, das Lied zu beenden, kam sie nicht, da sich die Tochter ihrerMutter in den Schoß warf. Und als sie ihr dann sagte, daß sie ihre ge-raubte Tochter sei, starben alle beide durch die große Bewegung.

Das ist an sich nicht ,, typisch" für St. Georg, so wie jene andere Legendevom Wiederbringen des kriegsgefangenen- ,, geraubten" Jünglings auf sei-nem Streitroẞ heim zu den Eltern als den besonderen Georgs- Verehrern.Aber das ist Hagios Georgios überhaupt, der Vielverehrte, über den imGriechisch- Byzantinischen wie allgemein in Südosteuropa und seinemHochkult wie seinem Volksglauben allenfalls nur noch der hl. Nikolausvon Myra in der Bildhäufigkeit wie in der Verehrungsdichte hinausragt.Georg ist hier, gleichviel, wie man ihn ikonographisch einordnet 25 undoft lediglich als Nachfolgefigur eines Bellerophon und mancher Dra-chen- und Schlangenkämpfer zu Pferde sehen will, Kristallisationskernfür viele Erzählüberlieferungen auf Bildern, im Volksbuch- Druck und,daran sich haltend, in den gerne noch weit darüber hinausgehendenVolksmundberichten. Solche Einsicht kann das unmittelbare Schau-und Abfrage- Erlebnis in der Feldforschung in Südosteuropa auch heutenoch verstärken, vertiefen helfen.

In den Tagen vom 16. bis zum 19. August 1979 hatte ich mein Wander-lager im Quellbereich des Karstflusses der Cetina, die dort im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet der Vrlika aus dem Dinara- Gebirge tritt, nahebeim gleichnamigen Dorfe aufgeschlagen. Hier war ich im Sommer 1953gewandert. Hier hatte ich im Zeltlager mit meinen damaligen GrazerHörern 1960 Bild- und Tonbandaufnahmen von Liedern, Tänzen, Hel-denepen, Trachten, Arbeitsvorgängen und Hausrat gemacht. Im Jahre

25 Vgl. das Lexikon der christlichen Ikonographie, hrsg. v. W. Braunfels,Bd. VI, Freiburg i. B. 1964, 365-390.

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