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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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jüngste Gattung mit Reifenumspannung, die einseitige Kerbschnittdekoration besitzt.Krainerische Käseformen von den Slowenen in den Steiner Alpen sind auf Tafel 85,Fig. 10 und 11, abgebildet.

An die Butter- und Käsemodel schließen sich am passendsten die mannigfaltigenErzeugnisse der Formenstecherei in Holz an, die seit dem XVI. Jahrhundert stattder früher üblichen Tonmodeln zumeist für Lebkuchen, Marzipan- und Zuckerwaren,aber auch für andere gewerbliche Zwecke vertiefte Model schuf( Tafel 86 und 87).Sie sind meist handwerksmäßige Arbeit, in manchen Fällen signiert( Tafel 86, Fig. 3,4, 5), vielfach auch von den Lebzeltern und Zuckerbäckern selber gestochen worden.')Ihre Darstellungen besitzen erhebliches kulturhistorisches Interesse und haben mitden Gebildbrotformen der festlichen Zeiten( Weihnacht, Ostern, Allerseelen, Mitt-sommer, Fasching und Fastnacht u. a. m.), wie Dr. M. Höfler in zahlreichen Arbeitengezeigt hat,) vielfach Zusammenhang. Außerdem kommen in ihnen kostüm-, sitten-und zeitgeschichtliche Darstellungen, auch Märchen- und Mythenzüge( Schimmelreiter,Altweibermühle Glossar ::: zum Glossareintrag Altweibermühle) usw. in bunter Abwechslung vor. Holzmodel für das Ausstechenvon Schwammfiguren zum Schmuck der Kopfputze für die Leitkuh beim Almabtrieb( Tafel 85, Fig. 5), Druckmodel( Tafel 87, Fig. 2 und 3) sowie Formmodel für Stuck-arbeiten( Tafel 86, Fig. 1) oder für Wachsvotive sind nur einzelne, zufällig heraus-gegriffene Beispiele für die vielseitige Verwendung dieser meist mit bemerkenswerterSicherheit und Bravour geschnittenen Formen, welche in Österreich unter der alpen-ländischen Bevölkerung, wie auch in den Sudetenländern hier allerdings wenigerhäufig und vollkommen begegnen. Ihre Hauptblütezeit liegt im XVIII. Jahrhundert;doch ist schon das XVII. Jahrhundert mit vortrefflichen Arbeiten vertreten und klingtdiese Kunstfertigkeit erst mit Ende des XIX. Jahrhunderts aus. Hoch altertümlichenCharakter zeigen die dalmatinisch- bosnischen Brotstempel( Tafel 100, Fig. 8 und 9),welche antike Kerbschnittmotive des V. Jahrhunderts bewahrt und mit den früh-christlichen Kreuzbrotstempeln offenbar Zusammenhang haben. Vgl. die zahlreichenAbbildungen altchristlicher Kreuzbrotstempel auf Tafel I der Abhandlung:> Gebild-brote der Osterzeit von Dr. M. Höfler( IV. Supplementheft zur» Zeitschrift fürösterreichische Volkskunde 1906, S. 14 ff.).

Recht eigentlich volkskünstlerische Arbeiten finden wir wieder in den der Vieh-haltung und dem landwirtschaftlichen Betriebe dienenden Geräten, von denen einigewichtige und verbreitete Typen auf Tafel 83 und 84 Abbildung gefunden haben. Inerster Linie seien hier die Glockenbänder für die Kühe und das Kleinvieh der Alpengenannt, welche in ausgedehnter Verbreitung und dadurch veranlaßter reicher Varia-tion der Typen begegnen( Abbildungen auf Tafel 8, Fig. 1-8, 10, 11). Was zunächstdie sogenannten Schellenbögen der Kühe betrifft( Tafel 83, Fig. 10 und 11), sokommen in Tirol( Zillertal, Pustertal, Nonsberg) aus Holz geschnitzte Formen nebenden Lederbändern mit ihrer mannigfaltigen Auszier vor; sie sind mit Kerbschnitt-ornamenten, die zum Teil rot gefärbt sind, verziert. K. Hörmann hat im Globus<<wiederholt eine ausführliche Beschreibung der in Mittel- und Oberfranken, wiein der Oberpfalz verbreiteten Formen( mit» Backen und> Ohren oder ohne die-selben) gegeben. Im» Archiv für Anthropologie XXIX sind von Dr. Lalou Schellen-bögen aus Buchen- und Birkenholz in den Pyrenäen nachgewiesen, die mit ein-

1) Der Name des Schneiders, z. B. Urban Haberlandt( XVI. Jahrhundert), findet sich häufigan der Seite oder im Bilde selbst eingeschnitten.» Zeitschrift für österreichische Volkskunde<< V, S. 1 ff.2) Supplementhefte III, IV, V zur» Zeitschrift für österreichische Volkskunde«.- Außerdem indieser Zeitschrift Bd. VIII, S. 1 ff., Bd. IX, S. 185 ff., Bd. XV, S. 181 ff.

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