Sudetenländern wie die übrigen Hausmöbel mitunter Verzierung durch Bemalung( Tafel 74, Fig. 8) oder Einlegearbeit( Tafel 76, Fig. 2) erfährt. Die naheliegendstenMotive hiefür sind Teller und Eßbesteck, sodann religiöse Symbole, Namens-initialen u. dgl. Die Tischplatte( Tafel 76, Fig. 2) aus dem Böhmerwalde gehört zu denreichstdekorierten ihrer Art; sie zeigt noch als deutliche Spuren des Gebrauches durchzwei Jahrhunderte an mehreren Stellen die Brandlöcher, welche die zur Beleuchtungverwendeten eingesteckten Kienspäne in die dicken Bohlen eingebrannt haben. Dermit einem Kästchen verbundene polnisch- goralische Tisch( Tafel 102, Fig. 2) ist schonerwähnt. Volkskünstlerisch ist weiters der mit Brandmalerei sowohl auf der Tisch-platte wie am Untergestell reichverzierte Huzulentisch bemerkenswert( W. Szuchie-wicz, Huculszszysna, I, S. 121), besonders aber der von E. Weslowski geschilderterumänische Truhentisch, von dem die vorstehenden Abbildungen, Fig. 47 und 48,die Anschauung geben.
M
Fig. 51. Seitenteil einer rumänischen Kinderwiege. Bukowina.
Sehr ergebnisvoll ist es auch, das späteste und am wenigsten volkstümlicheSitzmöbel des Bauernhauses, den Stuhl, in vergleichenden Augenschein zu nehmen.Wie J. Brinckmann, Beschreibung der Möbel des Hamburger Museums für Kunstund Gewerbe, S. 36, treffend hervorhebt, nehmen die Stühle überall eine Sonder-stellung ein. Mehrfach haben die einzelnen Bezirke und Landschaften, wie sie Schmuck-formen oder Trachten eigenartig bewahrten, so auch bestimmte Formen des Stuhlesdurch lange Zeit festgehalten. Dafür ist die Stuhlform des Ötztales in Tirol u. a. einbesonders charakteristisches Beispiel. In unermüdlicher und reichster Variation kehrthier dieselbe Grundform, namentlich der Lehne, die sich von den sonst in Tirol üb-lichen Stuhltypen ganz wesentlich unterscheidet, fast eigensinnig wieder, wofür dasreiche Material von über 30 Ötztaler Stühlen im Museum für Tiroler Volkskunst zuInnsbruck die Belege liefert( vgl. auch J. Deininger, Tiroler Volkskunst, Tafel XVIIbis XIX). Am Stuhle des Bauernhauses ist vor allem die meist beschnitzte und volks-tümlich konturierte Lehne von Interesse. Das Motiv des Doppeladlers, welches derRenaissance- Stuhllehne zugrunde liegt, ist, wie R. Forrer gezeigt hat¹), im Bauern-1) Von alter und ältester Bauernkunst, S. 6.
132