Fast alle diese mannigfaltigen Holzzierarten verbinden sich mit Bemalung oderfarbiger Beizung, so daß gemäß dem allgemeinen Grundhange der Volkskunst zurFarbe wie bei den volkstümlichen Stickereien oder Keramiken auch hier der Ein-druck fröhlicher Buntheit und gehäufter lebhafter Auszierung entsteht.
Indem wir uns nun im einzelnen den verschiedenen Klassen volkstümlicherHolzarbeiten in den Alpenländern zuwenden, sind es zuerst die Möbel des Bauern-hauses, die unsere Beachtung verdienen. Von den mit dem Hause und seinen Wändenfest verbundenen Möbelformen, wie sie das holländische und norddeutsche, auchdas skandinavische Bauernhaus kennt¹), sind in den auf österreichischem Völker-boden heimischen Hausformen nur geringe Überbleibsel vorhanden. Dort, wo dieTäfelung der Stuben noch regelmäßig oder häufiger vorkommt in Tirol, Vor-arlberg, Steiermark sind auch die mit der Täfelung konstruktiv verbundenen, in
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die Wand eingelassenen Schränke und Wasch-kästen oder in die Vertäfelung einbezogenenBettstellen nichts seltenes. Vom rumänischenBauernhause der Bukowina wären vielleicht diein einer Stubenecke stabil angebrachten Betten( vorstehend Fig. 50) hieherzuziehen, deren Eck-pfosten in den Lehmfußboden eingeschlagenwurde, während es nach obenhin mit einemDurchzugsbalken in Verbindung stand. 2) Dasgewöhnliche, bäuerliche Möbel in Österreich istaber durchaus mobil und tritt uns, bis auf dennordöstlichen und südlichen Teil der Monarchie,durchwegs in den landläufigen Formen entgegen.Ganz selten sind dabei noch erhaltene gotischeNachklänge, wie manchmal bei Mehltruhen mitGiebeldeckeln, häufiger schon Renaissancemotive,in der Regel aber ist das Barock und das Ro-koko die vorherrschende Stilform: echte Bauern-möbel reichen nur in seltenen Fällen über den Be-ginn des XVIII. Jahrhunderts hinaus. Die Betten, inälterer Zeit zweischläfrig(» zweispannig«) treten inden Alpenländern, zumal in Tirol und Salzburg, wenn für reichere Bauernhöfe bestimmt,in Steiermark, im Heanzengebiete, dann im Egerland wie in Böhmen überhaupt- auch imtschechischen Teile, in Mähren und Schlesien als Himmel- oder Baldachinbettenmit geschnitztem oder bemaltem Himmel und ähnlich verzierter Vorder- und Rück-wand auf, wobei Heiligenfiguren, religiöse oder allegorische Symboledas AugeGottes, verschlungene Hände Landschaften, Stadtansichten und andere Darstel-lungen abwechseln. Abbildungen dieser seit der Mitte des XVIII. Jahrhunderts inbäuerlichen Wohnungen beliebten Bettform, welche, mit Seitengardinen versehen,einen vollkommenen Abschluß nach außen hin gewährten und für welche unter denTschechoslawen die gestickten Wochenbettvorhänge( Tafel 12-14) bestimmt sind,finden sich in J. Deininger, Tiroler Volkskunst, Tafel XIX und XX; Fr. Zell, Volks-kunst im Allgäu, Tafel 5; S. Grüner, Über die ältesten Sitten und Gebräuche desEgerlandes, herausgegeben von A. John, Tafel 3.
Fig. 50. Vorderteil eines rumänischenBettes. Bukowina.
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1) K. Mühlke, Von nordischer Volkskunst, S. 96.
2) E. Weslowski,» Zeitschrift für österreichische Volkskunde<< XII, S. 63.
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