Druckschrift 
1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

im Grödener-, Fassa- und Fleimsertal eine zahlreiche Bevölkerung winterüber ihrDasein fristet. Die Mittelpunkte des Bildschnitzelns und der Spielwarenerzeugungsind neben einzelnen Gemeinden des Bezirkes Reutte in den Dörfern des Fassa- undGrödenertales und im Enneberg zu suchen. Nicht eigentliche Bauernarbeit, aber dochvolksmäßige Produktion ist in Tirol auch die Schmiedearbeit, speziell in den Gemeindendes Eggentales, in der Umgebung von Sterzing und im Stubaital. Auch der Schlangen-schmied von Wels ist eine solche volkskünstlerische Spezialität der Gegenwart.Ebenso ist die Sattlerkunst, wiewohl aus dem Bauernhause hervorgegangen, früh-zeitig zu einem selbständigen Zweig der Volkskunst geworden, der in Tirol wie inOberösterreich und Salzburg mit dem reichverzierten Zaumzeug für die Pferde, denBauchringen usw. dankbare und einträgliche Aufgaben gestellt waren.

Die Hafnereikünste treten in Nordtirol mit der Kachelverfertigung und bunt-glasiertem Geschirr, dagegen mit Majoliken erst seit 1808 in Schwaz hervor;letztere beherrscht Südtirol und ist wahrscheinlich durchaus italienischer Import.Glasbläserei spielt eine sehr bescheidene Rolle.

In Vorarlberg hat sich wie in Tirol hauptsächlich die Holzschnitzerei als Volks-kunst am breitesten entfaltet. Reich ist das Land an kunstvoll getäfelten Stuben desBauernhauses: Schränke und Tische, letztere häufig mit Schieferplatten und mitEinlagen verziert, Truhen und Stühle zeigen kunstvolles Schnitzwerk oder seit derMitte des XVIII. Jahrhunderts auch Bemalung. Für die Frauentracht wird vielkünstlerisch arbeitender Hausfleiß der Mädchen und Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber aufgeboten: die Stickereienund Bildwebereien derselben haben großes Interesse.

Die beiden Kronländer Kärnten und Krain bilden, wie sie ethnographisch undhistorisch vielfach zusammengehören, auch volkskünstlerisch eine zusammengehörigeProvinz von einer gewissen Sonderstellung gegenüber der übrigen deutsch- öster-reichischen Alpenwelt. Dies Doppelgebiet ist gleicherweise von einer weitgehendenvolkskünstlerischen Verarmung der Gegenwart betroffen; es war in der Vergangenheitvon den gleichen starken Einflüssen aus dem Süden, von Italien her berührt. Verwandtsind die beiderseitigen Textilien, namentlich die Stickereien mit ihrer Verwendungmehrfärbiger Schafwolle; sehr ähnlich entwickelt sich die holzverarbeitende Industrieim kärntnerischen Rosental hier und im Gottscheerländchen, um Krainburg und Pölland,mit Herrgottschnitzerei, Marterl- und Bildstöcken und sonstiger volkskünstlerischerEntwicklung( Löffelindustrie) in Bleiburg und im Pöllander Tal. Die Spezialitätder im echten Volksstil bemalten Bienenstirnbrettchen begegnet uns in Kärnten, wiebesonders in Krain. Leinenweberei wird in beiden Gebieten seit alter Zeit geübt,mitunter mit volkskünstlerischer Entfaltung. Vor Kärnten( mit Ausnahme des unterenRosentales) hat Krain dagegen die berühmte Spitzenerzeugung von Idria, sowie seinekeramische Volksbeschäftigung voraus, die an zahlreichen Punkten des Landes inallerdings sehr bescheidener Entfaltung bleibt; die» Majolika der krainerischen Wein-gegenden ist, wie gezeigt werden wird, durchaus von italienischer Abkunft. Einevolkskünstlerische Besonderheit beider Gebiete bildet die Pfeifenerzeugung, mit Perl-mutterinkrustation und Metalleinlegearbeit verbunden; Ausläufer derselben erstrecktensich bis nach Nordsteiermark. ¹) Die bemalten Ostereier Krains sind in den Alpen-ländern die einzigen Vertreter dieser besonders unter den Slawen zu höherer Ent-wicklung gelangten altertümlichen Kunstübung.

Das Küstenland, Istrien und Dalmatien bilden, kulturell und volkskünstlerischvielfach zusammengehörig, die südslawisch- romanische Gruppe der österreichischen1) K. Lacher, Führer, S. 86.

19

3*