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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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enge Beziehungen zur Kunst hatten, sind in den letzten Jahrzehnten unter dem eisernenDrucke der wirtschaftlichen Verhältnisse gerade die von einem letzten Hauche natura-listischen Künstlertums geadelten Zweige völlig verdorrt und abgestorben, währendsich die seelenlose, nur dem praktischen Bedürfnisse dienende Produktion mitunternoch recht stattlich erhalten konnte. In ihren Ursprungsformen reine Volkskunst,sind alle diese hausindustriellen Erzeugnisse durch die endlose Wiederholung derModelle, durch die sehr weitgetriebene, rein mechanische Arbeitsteilung, an derselbst die kleinen Kinder des Hauses und sogar geistig minderwertige Individuen( wie in Außergefild) beteiligt sind, durch weitest getriebene Materialersparnis mitstets sinkender Tendenz der Qualität künstlerisch charakterisiert: es ist das glän-zendste Zeugnis von der durchschlagenden Kraft urwüchsiger Volksarbeit, daß selbstdiesen Massenerzeugnissen meist ein unvergleichlicher naiver Reiz, der sie von derFabriksdutzendware grundsätzlich scheidet, unverlierbar innewohnt. Die gemütvolleBeseeltheit, dieser beste Teil jeder echten Volksarbeit, hat sich auch in der endlosenVervielfältigung des urwüchsigen Modells nicht gänzlich verloren.

wird die

In verschiedenen Zeitpunkten je nach Ort und Verhältnissenreine primäre Volkskunst von der Handwerkskunst abgelöst, ohne daß aber mit demEintritt des Handwerkers anstatt des Bauers die Volkskunst ganz abgetan wäre. ¹)Der Handwerker ist zumeist bodenständiges Ortskind, hat den heimatlichen Geschmackin sich aufgenommen und in früher Jugend im Sinne desselben gearbeitet. Wie esauf dem Lande üblich, betreibt er auch eine kleine Landwirtschaft, lebt und leidetmit den Ortsgenossen, kurz, er hat soviel mit dem Bauer gemein, daß er als getreuerInterpret von dessen Geschmack gelten kann. Wenn wir den Anteil der handwerks-mäßigen Arbeit in dem weiten Gebiete der Volkskunst festzustellen versuchen, sowerden wir in den verschiedenen Zweigen derselben überall ein sehr verschiedenesHervortreten der handwerksmäßigen Preis- oder Kundenarbeit beobachten, abgesehendavon, daß je nach der wirtschaftlichen und kulturellen Rückständigkeit eines Ge-bietes die Rolle des Handwerks naturgemäß noch geringere Entwicklung zeigt. Inden textilen Künsten ist es die Kunstweberei, welche am frühesten und regelmäßigstenzum handwerksmäßigen Betrieb gelangt; auch die Wirkarbeit, die Anfertigung vonTeppichen, Decken, Taschen, Gurten usw., hat sich in den verschiedensten Volks-gebieten Europas wie des Orients Glossar ::: zum Glossareintrag  Orients vielfach und früh zum Kunsthandwerk erhoben,ohne indessen als Volksarbeit aufzuhören, wie die stattlichen Überreste dieser schönenVolkskunstzweige in Norwegen, Rußland, bei den Ruthenen und Rumänen wie beiden Südslawen dartun. 2) Bei den Stickereien werden wir vielfach, wie in dembetreffenden Abschnitt für österreichische Verhältnisse gezeigt werden soll, die Neigunghervortreten sehen, daß sich auch diese Arbeit gern berufsmäßig spezialisiert unddaß überall in den Dörfern einzelne geschicktere Arbeiterinnen gern für den Bedarfder Dorfinsassinnen an besseren Arbeiten völlig handwerksmäßig aufkommen. DieHafnerarbeiten, in Anfertigung der Ofenkacheln, der bemalten Majoliken und desbuntglasierten Hafnergeschirres von mancherlei Art, sind in Europa fast überall schonseit längster Zeit dem berufsmäßigen Handwerk überantwortet³); nur sporadisch wirdauch die Hafnerei noch hausindustriell betrieben, wie in gewissen Gegenden Ungarns,in Galizien und der Bukowina. Das gleiche gilt von den Glasarbeiten jeder Art, die

1) Vergleiche die Ausführungen Ant. Dachlers in dem Werke: Das Bauernhaus in Österreich-Ungarn. S. 185 ff.

2) A. Riegl, Altorientalische Glossar ::: zum Glossareintrag  Altorientalische Teppiche. S. 24 ff.

3) M. Heyne, Das altdeutsche Handwerk. S. 46.

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