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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
Entstehung
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so wäre es

sind immer bestimmte und besonders veranlagte Naturbegabungen, die freilich ziem-lich reichlich gesäet sind, welche mit solchen Leistungen spielerisch hervortreten.Auch gibt es ja alle Grade von Vortrefflichkeit bei diesen Liebhaberarbeiten vertreten;die schlechten oder minder gelungenen Exemplare bekommt der städtische Beurteiler,wenn er nicht mit dem Volksleben engste Beziehungen hat, gewöhnlich gar nichtzu Gesicht. Was sich beim Händler oder in unseren Sammlungen auch der an-spruchslosesten vorfindet, ist doch schon allemal ein in irgend einer Beziehunghervorstechendes und besseres Stück. Wie es in der Volksliedforschung oder bei derErforschung der volksmäßigen kleinen musikalischen Formen bestimmter Weisen,Juchezer, Jodler, Almschreie usw.- mehr und mehr zum idealen Ziele der Arbeitwird, die Erfinder aller dieser Erzeugnisse aufzuspüren oder wenigstens die Volks-klasse, die engste Umwelt, den Heimatsgau, aus den sie ihren Ursprung nahmen,festzustellen, von wo sie ihre weitere Verbreitung nahmen und mancherlei Um-bildung, stete Variation, Verquickung mit anderen Formen erfuhren,auch bei der Volkskunst der greifbaren Dinge eigentlich unsere letzte Aufgabe, beiihrem Studium allemal bis auf die ausführende Hand vorzudringen und den Ver-fertiger jedes Stückes zu eruieren. Für gewisse Gebiete volkskünstlerischer Arbeit,wie bei den Hafnerarbeiten, den Möbel- und Bildmalern, den Bildschnitzern, denGlasmalern, ist diese Spürarbeit in der Tat ein beträchtlicher Teil der wissenschaft-lichen Forschung, welche an derlei Dinge gewendet wird, wie in den folgenden Ab-schnitten gezeigt werden soll. Aber auch bei den sozusagen wesentlich anonymenVolkskünsten, wie bei den Stickereien der Frauen, der Ostereibemalung, den Hirten-arbeiten, stoßen wir immer wieder auf den Fall, daß die besseren Arbeiten sich nachder Tradition mit bestimmten Namen, zumindestens mit einer Klasse mehr berufs-mäßig arbeitender Dorfkünstler und Künstlerinnen verknüpft zeigen. Es wird in denfolgenden Abschnitten stets auf diese Erscheinung ganz im besonderen hingewiesenwerden. Wenn man, durch das Typische dieses Vorganges aufmerksam gemacht, aufdas Auftreten solcher im Volke mit Namen bekannten Naturkünstler achthat, ist esgar nicht so schwer, eine stattliche Liste derselben für die einzelnen Volkskunstgebieteanzulegen. So sind uns aus dem Böhmerwald eine Anzahl dieser Typen bekanntgemacht worden. Ich erwähne z. B. als richtigen Vertreter derselben den Bauern-künstler Ignaz Schrammel in Wallern, geboren 1762, der 1846, 84 Jahre alt, daselbstverstarb. Er war nie aus seinem Heimatsorte fortgekommen und arbeitete als Tischler,Bildhauer, Maler, alles aus sich nehmend oder anderen ablauschend. Josef Blauführt Z. f. ö. V. einige weitere Namen an. Im Ennstale hat uns Karl Reiterer miteiner Reihe solcher naturwüchsiger Talente bekannt gemacht. Der Salzarbeiter JohannKieninger in Hallstatt, 1899, von dessen Bildschnitzerarbeiten in diesem Werkeeine ganze Reihe abgebildet ist, war ein solcher typischer Fall. Pfarrer Johann Lorenzin Feuchten führt uns Z. f. ö. V., XV, S. 2 ff., desgleichen mehrere Exemplare vor.M. Vinazzer, der Begründer der Grödener Schnitzerei, wäre zu nennen. Der Um-stand, daß sich die Künstler in nicht seltenen Fällen auf ihrem Werke selbst nennenmit der Jahreszahl der Verfertigung bestätigt die Auffassung, daß es sich beidiesen signierten Werken wenigstens für das Bewußtsein ihrer Verfertiger um einespezialisierte Leistung handle. So auf den zierlichen Schachteln, kleinen Truhen,Rasierzeugdosen, Hirtenstöcken, Maßstäben( Ellenstöcken), Handwerkgeräten, Peitschen-stielen, Kumpfen, Sensenscheiden der deutschen Alpenländer, mitunter auch auf dendeutschen Stickereien, fast niemals aber auf den Hirtenarbeiten oder den Textilien derSlawen oder Rumänen. Sicher ist das Motiv, sich durch seine Arbeit in der ganzen

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