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Beilage II.
Ordnung des Hafner Handtwerchs, wie die bey der Statt Welẞgehalten wierdet. 1589.
Wir R. Burgermaister Richter vnnd Rath der Statt Welẞ Im Erzherzogthumb Österreich ob derEnnẞ Bekhennen fur vnns vnnd vnnsere Nachkhomen hiemit offentlich, gegen meniglich, das vorvnnser insizenden Rath erschinnen sein die Erbarn Maister samentlich des Hafner Handtwerchs all-hie, vnnd brachten vnns In gehorsam mündt vnnd schrifftlich für: Obwoll Ire Vorfordern dises Hanndt-werchs etliche Puncten vnnd Articl, Ir Hanndtwerkh betreffendt, verschiner Jar verzaichnen lassenvnnd dieselben bey Inen etlichermassen Im gebrauch erhalten worden, wie auch das handtwerch derHafner In disem Lanndt ob der Ennẞ samentlich ain alte Hanndtwerchs Ordnung halten, So wäre dochInen den allhieigen Maistern über angezaigter articl bißher khain Sonnderbare Bestättigungs- Vrkhundtvnnd erleutterung aller vnnd Jeder nach hieiger Stat gelegenheit tauglicher Hanndtwerchs gebreüchvnnd Ordnung nit geferttigt zuegestelt worden, daher sich dann zwischen hieigen vnnd frembten Hafern,auch sunsten zwischen Maister, Khnechten vnnd Lehrjungern mermaln miẞuerstanndt vnnd widerwillenerhebet. Damit aber solche vngleichhait vnnd verner vnruehe verhüet, bey Inen In Ihrem Hanndt-werch allerseits ain guetter ainigkait vnnd Richtschnuer, wessen sich ain Jeder verhalten soll, angesteltvnnd verordnet werde, überraichten Sy vnns ain Verzaichnuẞ, darinnen diejenigen Puncten vnndArticl, So zu erhaltung Ires Hanndtwerchs, gueter Zucht vnnd Ordnung, begriffen, Mit vndterthenigervnnd gehorsamer bit, das wir solche verzaichnus abhören, nach vnnserm gefallen corrigieren vnnd überdas, so wir zu ainer nüzlichen Hanndtwerchs Ordnung für billich vnd tauglich erkhenten, Inen vnndIren Nachkhomen zu guettem, von Obrigkait wegen, vnndter vnnserm vnnd gemainer Stat Innsiglaingeferttigten Schein vnnd Vrkhundt mitthailen wolten. Wann wir vnns dann Schuldig vnnd willigerkhennen, gemainer Statt samentlichen nuz vnnd fromen auch deren Inwohner aufnemen vnnd Woll-fart zu betrachten vnnd nit die wenigist notturfft ist, bey den Stetten, das In den handtwerchen guettevnnd nüzliche Ordnungen angestelt vnnd gehalten werden, demnach haben wir dise Ir vndterthenigebit angesehen, Ire verzaichnete Articl abgehört, corrigiert vnnd, weil solche articl der Erbarkait nitentgegen, sonder Innen samentlich zu nuz vnnd fürderung Ires Hanndtwerchs geraichen sollen, Indieselben von Obrigkait wegen gewilligt vnnd Sy damit zuegelassen, Alß vnnd wie volgt.
Erstlich. So soll Inen verwilligt sein, das Sy die Maister, samentlich In disem Hafner Handt-werch, Järlich allweg ain Quattember Sontag zu weinachten auf das negst khunfftig Jar ainen teüg-lichen Zechmaister aus Inen erwöllen, volgnundts so derselb das Jar dem Handtwerch zum bestenvorgestandten, Im oder ain andern mit der maisten Stim auf volgents Jar zu ainem Zechmaister er-khiessen mögen. Doch sollen Sy vnns zu Jeeder waal den fürgenomen Zechmaister nambhafft machenvnnd da wirs begern, vnns fürstellen. Welcher Zechmaister allain, was Ime von aines gannzen Hanndt-werchs wegen gebüert vnd merers nit, zu handlen befueget sein soll.
Zum Andern. Sollen alle Maister dises Hanndtwerchs Järlich zu jeder Quattember Im Jar amgelegen orth, dahin Sy Ir verordneter Zechmaister beschaidet, zu erhaltung der Ordnung vnnd was ImHanndtwerch fürfelt, zusamenkhomen, vnnd Ir Jeder wochenlich ain Pfening, bringt ainem ain Quat-tember dreyzehen Pfening, In die Ladt erlegen, welche ladt gedachter Zechmaister In seiner gewaldtverwaren, der äldist maister aber den Schlissl dazue haben vnnd behalten soll.
Zum Dritten. Welcher Maister zu solcher versamblung des Hanndtwerchs ohne genuegsameVrsach vnnd entschuldigung vngehorsam aussen bleibt vnnd bestimbte wochenpfening nit erlegt, derist In die ladt zu straff verfallen vierzig pfening.