IV. ABSCHNITT.
Der Norden Oberösterreichs.
Beteiligung Vöcklabrucks. Das Hafnerzentrum in Frankenburg. Hirschvogels Aufenthalt in Oberösterreich.
In den drei vorhergehenden Abschnitten haben wir das Hafnergewerbe der StädteSteyr, Wels und Enns sowie jenes im Kremstale eingehender zu besprechen ver-sucht, die Namen der Meister, soweit dies möglich war, festgestellt und mehrereTypen der Gefäße unserer nördlichen Alpenländer den genannten Werkstättenzugewiesen. Trotz dieser Zuweisung sind den Erzeugungsorten dieser einzelnenGruppen keineswegs jene engen Grenzen zu ziehen, wie sie durch die Teilungdieser Arbeit erscheinen. Wir müssen im Gegenteile mit voller Berechtigung an-nehmen, daß sich eine bestimmte Technik bei der Ausschmückung der Gefäße nicht auf die Werk-stätten einer städtischen Zunft allein beschränkt hat. Der große, intensive Verkehr sämtlicher HafnerOberösterreichs untereinander, die sich alljährlich mindestens einmal zusammengefunden haben, um überwichtige Fragen zu beraten, hatte selbstverständlich einen Austausch der Ideen über Gefäßformen,Verzierungsweise, Herstellung der Glasuren etc. zur Folge. Bei solchen Zusammenkünften, die in derRegel mit großen Häfenmärkten verbunden wurden, fand sich die beste Gelegenheit, die Erzeugnissefremder Hafner zu sehen und dieselben käuflich zu erwerben. Modelle für Öfen und für die Relief-auflagen der Krüge wurden bei solchen Anlässen getauscht oder verhandelt. Im Abschnitte überOfenkeramik werden wir Kacheln kennen lernen, die beinahe gleichzeitig in der Schweiz, in Nürnbergund in Oberösterreich auftreten, weil sie dort überall erzeugt wurden. Man war diesfalls bisher imIrrtum, wenn behauptet wurde, unsere besten bunten Öfen kämen aus Nürnberg. Der Transport dieserwäre nach Österreich herein, sei es nun mit Fuhrwerken oder zu Schiff, gewiß nicht lohnend gewesen,und man hat es vorgezogen, sich von den Kacheln Abdrücke herzustellen oder solche vom Original-modell zu erwerben.
Anders stand es mit den Gefäßen. Die Häfenträger, über die wir später noch sprechen müssen,scheuten weder Wege noch Mühe, sich durch den Weiterverkauf der Gefäße einen Lebensunterhaltzu schaffen. So ist viel fremdes Erzeugnis aus Deutschland, Böhmen und Salzburg nach Oberöster-reich herübergekommen; hauptsächlich geschah dies zur Zeit, welche den Rahmen dieses Buches bildet.Erst am Ausgange des 17. Jahrhunderts wurde dem Zwischenhandel mit Erfolg entgegengetreten.
Wenn wir also gewisse Formen mit einer mehr oder weniger charakteristischen Außenbehandlungden oben genannten Städten zugelegt haben, begründen wir dies damit, daß solche Gefäßgruppen zumgrößten Teile in diesen Gebieten aufgefunden wurden. Die kunsthistorische Bedeutung der StädteSteyr, Wels und Enns sowie des mit reichen und kunstfreudigen Stiftern und Klöstern ausgestattetenKremstales läßt auf gleichzeitige Tüchtigkeit und Kunstverständnis im Gewerbe schließen. Es liegtkein Grund vor, den Erzeugungsort draußen auf dem Lande zu suchen, wenn wir aus den Zunftver-fassungen und der Anzahl der nachweisbaren Meister entnehmen, daß gerade in den genannten Städtenein intensives Hafnergewerbe blühte.
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