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Bunte Hafnerkeramik der Renaissance in den österreichischen Ländern Österreich ob der Enns und Salzburg : bei besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den gleichzeitigen Arbeiten der Nürnberger Hafner
Entstehung
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III. ABSCHNITT.

Die Städte Wels und Enns.

Gefäße mit Sandanwurf. Beziehungen zu Nürnberg. Reihenfolge der Meister.

eben Steyr tritt Wels als die nächstvolkreichste und gewerbefleißigste Stadt Ober-österreichs in den Vordergrund. Der wiederholte Aufenthalt des Kaisers Maximi-lian I. und seines Gefolges in Wels hat das Ansehen der Stadt vermehrt, zahlreicheHandwerker und Kaufleute herangezogen. Viele neue, von Kaiser Max erteiltePrivilegien ließen das schon mit alten Vorrechten ausgestattete Wels stetig undrasch emporblühen. Am Knotenpunkte der alten Heerstraßen und an der schiff-baren Traun gelegen, hatte die Stadt einen bedeutenden Handel aufzuweisen. SeineJahrmärkte wurden im 15. und 16. Jahrhundert hauptsächlich von Kaufleuten aus Wien, Steyr, Linz,Salzburg, Passau und Nürnberg stark besucht.

Zahlreiche Funde ornamentierter Tonscherben weisen auf eine starke Ausbeutung der in der Um-gebung befindlichen reichen Lager schon von Seite der Kelten und Römer sowie im Mittelalter. NähereNachrichten über das Gewerbe erhalten wir aber erst durch die aus dem Jahre 1589 stammendeOrdnung des Hafnerhandwerkes, welche in der Beilage II vollinhaltlich wiedergegeben ist. DieseOrdnung bedarf nur hinsichtlich des zwölften Artikels einer Aufklärung. Es wird dort davon gesprochen,daß kein Meister berechtigt sei, seinen Erzeugnissen eine Marke zu geben mit Ausschluß der aus« Eisentachen», somit aus Eisenton gefertigten. Darunter ist jedenfalls das in Wels so beliebte und auchim nordwestlichen Teile Oberösterreichs massenhaft erzeugte gewöhnliche Graphitgeschirr zu verstehen( vgl. den IV. Abschnitt). Dieses sollten die Welser Hafner eigens kenntlich machen. Die schlechtenHafen und Krüge erhielten eine besondere Bezeichnung, zwei Stempel und wurden hierdurch als Aus-schuẞware erklärt. Die Worte< zwayen griff» lassen auf die wiederholte Anwendung eines zangen-artigen Instrumentes schließen und so ist anzunehmen, daß das Eindrücken der Ausschußẞmarke amHenkel der Gefäße erfolgte. Das schwarze Geschirr war ein Hauptprodukt der Welser Hafner. Da-neben haben sich aber tüchtige Meister auch mit der Herstellung künstlerischer Gefäße beschäftigt.Dies geht zur Genüge aus zahlreichen in Klöstern und größeren Bauernhöfen gemachten Funden her-vor. Das Charakteristische solcher Arbeiten bringt uns aber mit bisherigen Ansichten und literarischenBesprechungen dieser Gefäßgruppe in teilweisen Widerspruch, macht daher eine längere Abschweifungnotwendig.

Bevor im XIX. Jahrbuche der königl. preußischen Kunstsammlungen eine Gruppe buntglasierter,mit Fürstenporträts geschmückter Hafnergeschirre für Köln in Anspruch genommen wurde, haben wiran Süddeutschland oder an die Schweiz als Länder der Erzeugung dieser Gefäße gedacht. Hierübermüssen wir uns noch im nachfolgenden des näheren aussprechen; vielleicht ergibt sich dann, daß einTeil dieser besten deutschen Renaissancegefäße auch anderen Ortes erzeugt wurde.

Die fragliche Gefäßgruppe hat ihr auffallendes Merkmal in einem bald feineren, bald gröberenSandanwurfe, der die Außenwand der Geschirre zum größten Teile deckt. Aufgelegte Porträtmedaillons,