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Bunte Hafnerkeramik der Renaissance in den österreichischen Ländern Österreich ob der Enns und Salzburg : bei besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den gleichzeitigen Arbeiten der Nürnberger Hafner
Entstehung
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VII. ABSCHNITT.

Die Ofenkeramik Salzburgs und Oberösterreichs.

Der gotische Ofen der Hohensalzburg.

Welser Werkstätten. Meister Zilpolz in Linz. Der Salzburger Meister H. R.

Jachelöfen entstanden nicht, wie vielfach angenommen wird, erst im Mittelalter, son-dern bereits unter dem Einflusse römischer Kultur in den Ländern mit rauhemKlima. So wurde Süddeutschland und die Schweiz die eigentliche Heimat desdeutschen Kachelofens. Man hat die Form unserer scheinbar ältesten Kachel, welcheder Schüssel und dem Topfe gleicht, auf die Gepflogenheit des Mittelalters, einKohlenbecken oder einen irdenen, zur Aufnahme der Kohlen bestimmten Topf imWohnraume aufzustellen, zurückführen wollen. In diesem Falle galt der Behälter,ob nun aus Metall oder Ton, eben nur zur Aufnahme der glühenden Kohlen und somit zur not-dürftigen Erwärmung des Raumes; die Absicht jedoch, die Wandung des Gefäßes zur gleichmäßigenund andauernden Ausstrahlung der Wärme auszunützen, lag damals keineswegs vor.

Diese Eigenschaft des irdenen Topfes, mehr Wärme aufnehmen zu können als eine Ziegelscheibevon gleichem Durchmesser, war jedenfalls den Römern bekannt, denn sie verwendeten dieselbe Formbeim Aufbau ihrer Backöfen. Hier also hatten die in den Mantel des Ofens mit ihrer Mündung gegendas Feuer eingesetzten Töpfe den Zweck, die Wärme in größerem Maße aufzunehmen, zu halten unddie Erkaltung des Ofens möglichst hinauszuschieben. Die Außenwand des römischen Backofens warglatt mit Lehm verstrichen.

Irdene Töpfe hatten schon frühzeitig zum Baue weitgespannter Gewölbe, hoher Kuppeln aus kon-struktiven Gründen Verwendung gefunden. Die Kuppeln von S. Sebastiano in Rom und von S. Vitalein Ravenna sind Beispiele hierfür. Aus gleichen konstruktiven Rücksichten mögen die hohlen Töpfedem gewölbten Mantel der zu Heddernheim aufgedeckten römischen Töpferöfen eingefügt worden sein.Immerhin läßt sich aber daraus auf natürlichem Wege die Verwendung von Topfkacheln beim Aufbaudes römischen gekuppelten Backofens ableiten und so ergibt sich als weitere Folge die Konstruktiondes Stubenofens. Zeigten die Topfkacheln, mit ihrer Mündung der Feuerung zu eingesetzt, die Fähig-keit, viel Wärme aufzunehmen und diese dann langsam abzugeben, so fehlte nur ein Schritt zur Er-kenntnis, daß diese Kacheln, in verkehrter Stellung eingefügt, mit ihrer großen Aufnahms- und Aus-strahlungsfläche den menschlichen Wohnraum in bester Weise erwärmten. Zu dieser Erkenntnis tratals maßgebend für die Form der Kachel die einfache, altgewohnte Herstellung irdener Gefäße auf derdrehbaren Töpferscheibe.

Solche Topf- oder Schüsselkacheln bekamen später eine für den Aufbau des Ofens zweckmäßigereGestalt, indem der Hafner den Rand der Schüssel an vier Stellen mit den Fingern auseinanderzog oderderart nach innen einrollte, beziehungsweise einfach umschlug, daß sie nunmehr vier gerade Seitenerhielt. Aus der vertikalen Teilung der Topfkachel entstand in weiterer Folge die Nischenkachel. Sieführte zur Herstellung von Tonzylindern, welche auf der Scheibe aufgedreht und, insolange das Materialnoch feucht war, in zwei Hälften geteilt wurden. Den beiden Halbzylindern setzte der Hafner