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Bunte Hafnerkeramik der Renaissance in den österreichischen Ländern Österreich ob der Enns und Salzburg : bei besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den gleichzeitigen Arbeiten der Nürnberger Hafner
Entstehung
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V. ABSCHNITT.

Das Salzkammergut.

Gmunden. Das Salzachtal. Der Halleiner Krug der Sammlung R. v. Lanna.

in bedeutender Anteil an den süddeutschen Majolikaarbeiten wurde bisher Gmunden,und dies nicht mit Unrecht, zugesprochen. Die sogenannten Gmundener Krüge mitihren bildlichen Darstellungen in Scharffeuermalerei auf weißer Zinnglasur wareneigentlich im 17. bis 19. Jahrhundert bei uns das Einzige, was als Nachahmungitalienischer Majoliken gelten konnte. Allerdings zählen diese Arbeiten schon vomBeginne des 19. Jahrhunderts nicht mehr zur Kunstkeramik; die massenhafte Er-zeugung und die Beteiligung mangelhafter Arbeitskräfte, speziell ungeübter Maler,legen die Erzeugnisse in das Gebiet der Bauerntöpferei. Die originellen, nicht selten rohen Darstellungen,begleitet von einigen erläuternden Worten oder ganzen Versen, haben dieser Gefäßgruppe ein großesAbsatzgebiet verschafft. In jedem Bauernhause, in jeder Wirtsstube Oberösterreichs und Salzburgs wareine ganze Reihe solcher Krüge vorhanden, zuweilen mit den Darstellungen der Jahreszeiten, der Lebens-alter, der Monate etc., ganze Serien bildend. Die Fertiger dieser Krüge sind uns bekannt. Sie ge-hören den Familien Cammerpaur( Kammerbauer), Bergmayr, Zwischelberger, Katzbeck, Prein, Stadler,Fötinger, Eisenpeiß und einigen anderen an. Der Töpfer zeichnete sich selten und wenn, so in derRegel am Boden des Kruges. Häufiger finden wir die Signatur des Malers, seine Initialen in derNähe des Henkelansatzes oder unweit der bildlichen Darstellung. War der Meister der Werkstättezugleich Maler und solches traf oft zu so wurde von einer Wiederholung des Monogrammesabgesehen.

Die vorgenannten späten Arbeiten der Gmundener Hafner lassen mit Recht auf eine ältere In-dustrie schließen. Dieselbe hat im 17. Jahrhundert ebenfalls mit wenigen Farben auf weißem Grundegearbeitet und neben Wein- und Milchkrügen Schüsseln, Teller und sonstiges erzeugt. Eine Schüsselim Museum zu Ischl mit der Darstellung eines Trommlers und dem begleitenden Texte:« Ich WillDiech Drumbell Rirn, Wier Miessen Mösiciren, Rundt, Pundt, Pum» ist 1639 datiert und entschiedenGmundener Fabrikat. Das Material, der sehr hellgelbe und feingeschlämmte Ton stimmt mit jenemder späteren Arbeiten vollkommen überein. Vielleicht gehören hierher auch mehrere Schüsseln mitgewelltem Rande im Besitze des Germanischen Museums. Sie sind 1613--1623 bezeichnet und erinnernmit ihren in ziemlich bäuerlicher Manier gezeichneten und mit den Farben Gelb, Blau, Grün und Braun-violett bemalten Figuren unendlich an die vorerwähnte Schüssel mit dem Trommler und die gleich-zeitigen, in großer Anzahl noch erhaltenen Krüge, von denen sich ein Exemplar mit Blumenbemalungund dem Namen des Besitzers Hans Scharinger 1651» ebenfalls im Ischler Museum befindet. Wollenwir die Gmundener Hafnereien und ihre Arbeiten noch weiter zurück verfolgen, so fehlen uns aller-dings authentische Werke der Getäß- und Ofenkeramik. Dagegen fließen die historischen Nachrichtenziemlich reichlich und wird bei dem Alter des Hafnergewerbes in Gmunden und den schon im 15. Jahr-hundert als vorzüglich bekannten, in der Nähe der Stadt gelegenen Tonlagern jedenfalls mit einerkünstlerischen Betätigung der Werkstätten zu rechnen sein.