II. ABSCHNITT.
Hafner im Kremstale.
Gefäße mit Reliefauflagen in Art der Arbeiten des Nürnberger Hafners Preuning.
uffallend mehrten sich in den letzten Jahrzehnten im Tale des Kremsflusses, haupt-sächlich in jenem Teile, der sich von Kremsdorf südlich bis Kirchdorf erstreckt,Funde von Gefäßen mit aufgelegtem Stab- und Blattwerk, figürlichen Darstellun-gen bei gleichzeitiger Verwendung farbiger Blei- und Zinnglasuren, somit ganzin der Art der Hafnerkrüge aus den Nürnberger Werkstätten der Preuning.( Vgl.« Kunst und Kunsthandwerk», VII. Jahrgang, S. 486-495 und VIII. Jahrgang,S. 134-142.)
Das Kremstal ist auf Grund dieser Erscheinungen als dankbares Absatzgebiet der NürnbergerHafnerwaren anzusehen, deren Hersteller speziell die für unsere Länder typische Form des Weinkruges- den Plutzer als Ausfuhrobjekt nach Oberösterreich und Salzburg wählten. Im Durchzuge der Nürn-berger Kaufmannschaft sowie jener Leute, welche sich hauptsächlich mit dem Vertriebe fränkischerTöpferwaren beschäftigten, haben wir somit bisher genügende Aufklärung über Zwischenhändler sowieüber das Auftreten Nürnberger Hafnergeschirre in unseren Gegenden gefunden.
Immerhin spricht auch einiges dagegen. Eine Reihe von Gefäßen qualifiziert sich bei genauererBetrachtung als das Erzeugnis einer Werkstätte, welche das System der Reliefausschmückung und diebunten Glasuren mit den Hafnereien der Familie Preuning gemeinsam hat, sich aber durch eineneigenen Besitz an Hohlformen sowie durch technische Eigentümlichkeiten von diesen trennt.
Es sind übrigens drei Gruppen von Gefaßen zu unterscheiden. Die eine, entschieden oberöster-reichische, lehnt sich stark an die Arbeiten der Stadt Steyr an und charakterisiert sich am besten durchden Krug der Sammlung Freiherr Viktor v. Seßler- Herzinger. Dieses Stück zeigt in der Krugnischedie frei unterschnittene Figur des Crucifixus. Ein ähnliches Exemplar befindet sich im Museum Fran-cisco- Carolinum in Linz und wird hier auf Tafel IV abgebildet. Die Hauptfarbe des Kruges ist dunkel-braun, seidengrün der Fond des Bandes, welches die Nische umschließt. Die darin eingezeichnetenHalbkreise wurden abwechselnd in weißer und graublauer Farbe ausgeführt. Interessant ist ein Ver-gleich dieses Kruges mit den auf Tafel I abgebildeten Schüsseln, seine Verwandtschaft mit dem inGmunden aufgefundenen Exemplare augenfällig. Hier also haben wir es entschieden mit heimatlichenArbeiten zu tun, mit solchen des Südens Oberösterreichs, wahrscheinlich des Traunviertels( Fig. 17).
Die zweite Gruppe umfaßt Nürnberger, ausschließlich für die österreichischen Länder als Export-ware angefertigte Erzeugnisse des Hafners Paul Preuning und seiner Nachfolger. Sie haben durch-gehends die Form des Flaschenkruges mit kurzem engen Hals, breiter Aufstehfläche und von einemWulst umgebener Ausgußöffnung, die in dieser Form das Trinken unmittelbar vom Kruge ab er-leichtern soll. Der Henkel ist bei diesen Stücken ausnahmslos geflochten. Hierher gehören:
« Der Weinplutzer der Sammlung Figdor mit einer weiblichen, auf einem Violon spielenden Figurund musizierenden Putten wohl in der Andeutung auf die beim Trinken beliebten musikalischen
Unterhaltungen.»( Tafel V.)
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