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Bunte Hafnerkeramik der Renaissance in den österreichischen Ländern Österreich ob der Enns und Salzburg : bei besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den gleichzeitigen Arbeiten der Nürnberger Hafner
Entstehung
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I. ABSCHNITT.

Das Hafnergewerbe der Stadt Steyr.

Zunftordnungen. Reihenfolge der Meister. Buntglasierte Gefäße und Schüsseln.

ie Freude an den Farben ist aus Italien über die Alpen in deutsche Länder zu unsherübergekommen. Dies läßt sich wohl auf allen Gebieten des Gewerbes nach-weisen. Je inniger und reger der Verkehr mit Italien war, umso farbenfreudigerund prächtiger wurde unsere Gewandung, wurde das Außere unserer Häuser undihrer Einrichtung. In allen Techniken ging das Interesse und das Verständnis fürdie Farbe neben jenem für die Form einher und es ist daher erklärlich, daß man diesesSystem der Ausschmückung auch auf die Arbeiten der Hafner übertragen sieht.Nur die Mittel waren andere. Während in Italien die Gefäße mit wirklicher Malerei auf weißemGrunde versehen wurden oder beim Sgraffitoverfahren eine Zeichnung durch Wegschaben eines Teilesder Anguẞschichte erreicht wurde, haben unsere Hafner in der Regel, wo sie der Führung des Pinselsnicht mächtig waren, durch schöne Glasuren zu wirken gesucht. Zu dieser einfachen Ausschmückungder Gefäße trat in besseren Werkstätten ein zweites Mittel, den Erzeugnissen ein prächtiges Aussehenzu gewähren, das Auflegen von farbigen Reliefs.

Eine ganz besonders hervorragende Stellung im Handelsverkehre mit der Republik Venedig hatteschon seit alters her die Stadt Steyr im Traunkreise. Wiederholte Privilegien sicherten diese Stellungund beeinträchtigten andere Städte des Landes, wie jenes von Herzog Albrecht im Jahre 1370 verliehene,welches der Kaufmannschaft Oberösterreichs zugunsten der Steyrer einen Straßenzwang vorschreibt.So wurde der Handel nach und von Venedig zum größten Teile den Einwohnern der Stadt Steyrgesichert. Daneben genossen nur noch Wien, Wiener- Neustadt, Enns, Wels, Freistadt, Linz, später( 1463) auch Krems und Stein ähnliche Vorrechte. Besser stand es mit den Ländern Steiermark, Tirol,Kärnten und Krain, welche dem Handel mit den Venezianern ganz offen lagen.

Wir haben nicht ohne Absicht dieser Erleichterungen im Verkehre mit der Republik Venedig Erwäh-nung getan, denn die vorgenannten Provinzen Österreichs bilden den Rahmen zu unserer Arbeit, die durchihre Privilegien Italien nähergerückten Städte gleichzeitig die bemerkenswertesten Zentren keramischerKunstindustrien. Während sich dieselben in Südtirol, Kärnten und Krain mehr dem italienischen Ver-fahren, d. h. der eigentlichen Bemalung auf weißem Grunde anlehnen, entsteht in den nördlichen Länderneine Gefäßindustrie, welche die Farbenglasuren mit Italien, die Reliefausschmückung mit Süddeutsch-land gemeinsam hat, seine althergebrachten Gefäßformen aber beibehält.

In Oberösterreich ist es die Stadt Steyr, welche im 15. und 16. Jahrhundert, als nach Wien diebedeutendste Industriestadt der österreichischen Länder, hier etwas eingehender berücksichtigt werdenmuß. Als wichtiger Platz handelte sie Venezianer Waren herauf nach Österreich und Deutschland,vorzüglich Südweine, Gewürze, Öl, Seiden- und Glaswaren, welche hier auf der kürzesten Route überAquileja, Villach, St. Veit, Rottenmann und den Pyhrnpaß aus Italien herüberkamen; Eisenwaren undWachs gingen dagegen hinaus. Daneben blühte das Handwerk in einer Weise, daß sich alles nachSteyr drängte, hier Beschäftigung oder Wohnsitz suchte. Wie angesehen Bürger und Handwerk