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Bunte Hafnerkeramik der Renaissance in den österreichischen Ländern Österreich ob der Enns und Salzburg : bei besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zu den gleichzeitigen Arbeiten der Nürnberger Hafner
Entstehung
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Unsere Gefäßkeramik der Renaissance war gewiß von Nürnberg lebhaft beeinflußt und wir hatten schonan verschiedenen Stellen Gelegenheit, dies nachzuweisen. Hier insbesondere bot sich auch die Not-

wendigkeit, der allgemeinen Ansicht, daß die ÄußerungenNeudörfers über die Tätigkeit Hirschvogels als Krug- undOfenhafner einwandfrei seien, entgegenzutreten.

Durch den Umstand, daß Hirschvogel das FürstentumKärnten und das Land Oberösterreich, somit die Heimat derälteren Linie Khevenhüller und jene der jüngeren Linie kar-tographisch bearbeitete, zeigt er sich uns in engen Be-ziehungen zu diesem Hause. Die Aufträge, welche ihm derHofkammerrat Christoph Khevenhüller persönlich gab oderfür ihn beim Kaiser vermittelte, brachte ihn in enge Ver-bindung mit diesem kunstliebenden und mächtigen Herrn.Ihm wird nun auch ein gewisser Einfluß auf unser Töpferei-gewerbe zuzuschreiben sein, sei es, daß er persönlich Musterder Nürnberger Gefäße dem Grafen Khevenhüller über-brachte oder die Töpfer angeregt hat, ähnliches, wie es ihmaus Nürnberg, speziell aber aus der Werkstätte des OswaldReinhart und Hans Nickel bekannt sein mußte, zu schaffen.In Frankenburg, das er bei der kartographischen Bearbei-tung des Landes und bei seinem Verhältnisse zum HauseKhevenhüller gewiß aufgesucht hat, konnte ihm das Töpfer-dorf Zwispallen, wo die keramische Industrie seit langemblühte und wohl schon damals ein Viertelhundert Meister undetwa hundert Gesellen tätig waren, nicht entgehen. Bei seinem Drange, überall fördernd einzugreifen,ging er gewiß, wo er konnte, mit seinem Rate an die Hand und wir können daher einen Ideenaus-tausch zwischen ihm und den Hafnern von Zwispallen umsomehr nicht von uns weisen, als die inFrankenburg gemachten Funde mit der Gefäßtype der Reinhartwerkstätte in technischer, wenn auchnicht in künstlerischer Hinsicht übereinstimmen.

Fig. 65. Feldflasche aus Hafnerton. Oberösterreich.Um 1560.Sammlung Figdor in Wien.

Im nordwestlich von Frankenburg gelegenen OrteWaldzell wurden aus einem am Hausruck gegrabenen TonSteinzeugkrüge erzeugt. Diese im Material den spätennassauischen Fabrikaten gleichenden Gefäße sind teils großeSchenkkrüge, teils kleine, zylindrische Trinkkrüge. Wald-zell scheint die Heimat jener Stücke zu sein, deren Er-zeugungsort auf Grund der vorkommenden Aufschriften:WIEN DONAUFLUS»,« REGENSBURG»,» SALS-BURG» und« LINTZ» bisher mit Recht in Oberösterreich

gesucht wurde. Die genannten Städte, vielleicht hierzunoch Passau und Wels, dürfen als die wichtigsten Orte fürden Absatz der Waldzeller Ware gelten. Die ältesten Stückegehören der Mitte des 17. Jahrhunderts an.

Bedeutend war weiters das Hafnergewerbe des Inn-viertels in Hafnerzell, Passau, Schärding und Ried. Hafner-zell erhielt im Jahre 1347 durch Bischof Gottfried von Passaueinen Freiheitsbrief und damit besondere Erleichterungenin der Erzeugung und im Vertriebe der Hafnerwaren. Merianschreibt über Hafnerzell:« ein Marcktfleck, allda mehrer-theils Hafner, so schön Geschirr machen, wohnen». Ob diedortige Industrie sich nur mit der Erzeugung des Graphit-geschirres beschäftigte oder auch nach anderer Richtung hintätig war, ist nicht nachweisbar. Das Material nahmen dieHafnerzeller anfänglich aus der nächsten Umgebung, später,nach Aufbrauch dieser Tonlager aus Freinberg, wo nicht weit von der Kirche zum heil. Willibald feuer-feste Tonerde( die sogenannte Dachererde) gegraben wurde. Die Lager lieferten weißes und blaues

Fig. 66. Feldflasche aus Hafnerton, das Mittelfelddurchbrochen gearbeitet. Die Reliefs am Randekopiert nach einem Zinnteller Endterleins.Wohl Nürnberg? Ausgang des 16. Jahrhunderts.Sammlung Figdor.