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Aus seiner Werkstätte stammt wohl der schöne Krug der Sammlung Graf Wilczek( Tafel III).Dieses Stück zeigt so viel auffallende Übereinstimmung mit einer über dem Tor des Hauses Wien,Langegasse Nr. 50 eingelassenen buntglasierten Bildtafel, daß dieselbe Provenienz angenommen werdenmußte. Es handelte sich daher in erster Linie darum, die Herkunft der Bildplatte, welche beim Fehleneiner größeren Zahl ähnlicher Arbeiten in Niederösterreich nicht als Wiener Arbeit angesehen werdenkonnte, festzustellen. Laut den Büchern des Konventes der barmherzigen Brüder in Wien gehörtedas Haus der Langegasse dem am 18. September 1902 in Pertisau am Achensee verstorbenen KarlScheuchenstuel Edler von Weichingen. Er wurde am 15. Dezember 1829 als Sohn des bürgerlichenHafnermeisters Karl Edler von Scheuchenstuel geboren
und trat das väterliche Erbe am 6. Jänner 1830 an. DasHaus in der Langegasse entstand in der JosefinischenBauperiode, die farbig glasierte Tafel, welche aus demausgehenden 16. Jahrhundert stammt, wurde daher nach-träglich eingefügt.
Daß nicht nur der letzterwähnte Scheuchenstuel,sondern auch seine Vorfahren das Hafnerhandwerk be-trieben haben, geht daraus hervor, daß das Inventarnach dem im Jahre 1830 erfolgten Tode des Hafner-meisters Karl Scheuchenstuel schon ältere Hafnerwerk-zeuge und Geräte aufweist. Neben einem Magazins-stande von 40 neuen Ofen und gegen 100 Geschirrenwerden genannt: zwei alte Drehscheiben, zwei alther-kömmliche Glasurmühlen, drei Glasurkübel, ein steinernerMörser, eine Steinwalze, zwei Ofendrehmaschinen, welchesich, teils in der Hofwerkstätte, teils im Hofe bei denSchmelzöfen befanden.
Die Familie Scheuchenstuel wurde am 12. September1582 durch Kaiser Rudolf in den Adelsstand erhoben.Ob unser Andreas Scheuchenstuel ebenfalls 1582 geadeltwurde, wissen wir nicht; er wird in den Akten stets nureinfach« Meister Andre» genannt. Vielleicht hat übrigensdie Bezeichnung« fürnehmbster Maister», welche zuerstim Jahre 1583 auftritt, mit der Adelsverleihung Zusam-menhang.
Fig. 12. Buntglasierter Hafnerkrug aus der Werkstättedes Zechmeisters Andreas Scheuchenstuel in Steyr?Tätig von 1593 bis 1614. Sammlungen Graf Wilczek.
Der auf Tafel III und in Figur 12 abgebildete Krug,welchen wir nach dem Vorangeführten als Arbeit ausder Werkstätte des Andreas Scheuchenstuel bezeichnenwollen, hat eine Höhe von 35 cm und eiförmigen, durchein schräg braun und weiß gestreiftes Band in zwei gleichgroße Dekorationsflächen geteilten Körper. Diese beidenFlächen, im Grunde hellblau, sind mit Imperatorenköpfenund kleinen Figürchen, worunter eine Madonna, ein Holz-hauer, das Christuskind in der Mandorla, das Agnus Deietc., sowie mit kleinen Rosetten belegt. Drei größereMedaillons überschneiden das Mittelband. Sie stellen denSündenfall, Christus und die Samaritanerin am Brunnen und Gott Vater mit dem Reichsapfel vor.Am weißen Halse des Kruges sind drei Engelsmasken aufgelegt, das Futband zeigt eine in den Farbenmit dem Mittelbande korrespondierende Zickzacklinie. Auch bei diesem Stücke finden wir für denFlächendekor das Verfahren der eingeschnittenen Trennungslinien angewendet. Es hat hier weiters,obwohl die Reliefs im allgemeinen sehr stumpf sind, eine besonders geschickte Verwendung der weißenGlasur stattgefunden. Während dieselbe nämlich bei den glatten Flächen opak, also eine Zinnglasurist, wurde für die Fleischpartien eine weiße Bleiglasur verwendet. Die letztere ist durchsichtig undläßt daher die rötliche Farbe des Tones durchscheinen. In Unkenntnis der Herstellung einer rötlichenGlasur wurde in der angegebenen Weise sehr geschickt ein Ersatz für diese gefunden und den Fleisch-partien die natürliche Farbe gegeben.