lisch" untrennbar miteinander verbunden waren und derals Abwehr des Nationalsozialismus verstanden wurde. Inder Überzeugung, von Gott den Auftrag zur katholischenMissionierung als Lösung aller Probleme innerhalb desgesamten„ Deutschtums", weiters in Europa und derganzen Welt zugewiesen bekommen zu haben, bestandein im Licht der realpolitischen Realität lediglich the-oretischer- Führungsanspruch. Gespeist wurde diesesSendungsbewusstsein, das„ geradezu heilsgeschichtlicheZüge" zeigt, aus einem einseitig interpretierten und ver-klärten Geschichtsbild, in dem Österreich, geführt vomHause Habsburg, durch seine natürliche Affinität zumKatholizismus als Retter Europas vor Protestanten undTürken auftritt.59 Die Grundmuster dieser Vorstellungsind nicht neu, vielmehr aus vorhandenen Versatzstü-cken, wie der Pietas Austriaca, zusammen gebastelt. Die„ Sakralisierung des Dollfuẞ- Mythos", seine Stilisierungzum Märtyrer, passt in dieses Bild, wobei die Frage offenbleibt, in wie weit diese im„ religiös eingelebten Milieu"tatsächlich angekommen ist.60
Der Nationalsozialismus, der den österreichischen Auto-ritarismus beendete und hier in seiner Komplexität nichtnäher dargestellt werden soll, zeigte etliche Züge einerpolitischen Religion, wie etwa die Heilserwartung, denEinsatz von mythisch aufgeladenen Zeichen und Ritenoder die„, charismatische Führerfigur" 61, und ist kürzlichdezidiert als Hitlers Theologie 62 analysiert worden.63
Die Wende, 9/11 und die Gegenwart
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts schien alles klarzu sein: Die Säkularisierung, also die Verweltlichung aus
dem Geist der Aufklärung, die Ablösung vor allem vomChristentum, die häufig mit der Moderne gleichgesetztwurde, habe sich nach einer kurzen Durststrecke in den50er Jahren und im Zuge der 68- Bewegung in West-europa vollends durchgesetzt, und wenn sich im sowje-tischen Kommunismus auch starke Tendenzen zur Glo-rifizierung und mythischen Überhöhung fanden( wie derAufbau von Lenin und Stalin zu Politikonen), so war im,, Ostblock" doch offiziell der Atheismus von oben verord-net. Die Religion werde bald nur mehr eine Marginalie,werde demnächst nicht nur aus der Politik, sondern auchaus der Gesellschaft vollkommen verschwunden sein, sowurde mitunter postuliert.64
Tatsächlich ist den Institutionen der Religion, vor allemalso den Kirchen, ein spezifischer Platz neben den anderenInstitutionen der pluralistischen Gesellschaft zugewiesenworden. Sie wurden nunmehr als ausschließlich für denBereich der Glaubensausübung zuständig gedacht, vorallem aber für die„ Nächstenliebe", also den Einsatz fürdie Benachteiligten und Armen der Gesellschaft, z.B. inForm von Caritas oder Diakonie. Im Bereich der eigenen,persönlichen Frömmigkeit hatte auch die katholischeKirche bereits im 19. Jahrhundert bei den Gläubigen ihreDeutungsmacht zu verlieren begonnen. Das aufgeklärteBürgertum wählte aus dem theologischen Angebot derKirche das ihm passend Erscheinende aus und machtesich sein eigenes Bild auch von der transzendenten Welt.65Aus zahlreichen Haushalten verschwanden allmählich diereligiösen Wandbilder, Zeitschriften und Devotionalien.66Regional und länderspezifisch sehr unterschiedlich istdie Mitgliedschaft in einer religiösen Gemeinschaft( z.B.Irland im Vergleich zu Frankreich). In Österreich stellte
Vom Sakralen in der Politik
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