dern die Sakramente auf kirchliche Akte wie die Priester-weihe zu konzentrieren, um wiederum deren Bedeutungzu stärken. 23 Der Historiker Ernst Kantorowicz hat indem hier bereits mehrfach zitierten Werk„ Die zwei Kör-per des Königs" 24 auf eindrückliche Weise geschildert, wiesich aus der Vorstellung der Transformation des Königsdurch die göttliche Gnade die Ansicht entwickelte, derKönig sei von vorneherein in zwei Naturen vorhanden,in der göttlich- ewigen und in der menschlich- sterblichen,aus der heraus sich allmählich die Ablösung der Persondes Herrschers vom Amt vollzog, was als eine der Grund-lagen für die Entstehung des modernen säkularen Staatesmit seinen abstrakten Körperschaften anzusehen ist.Gegen„ Türken und Protestanten"
Als die Vollendung des herrscherlichen Gottesgnaden-tums in seiner Unabhängigkeit von Kirche und Papst istder so genannte Absolutismus des Barock vor allem inFrankreich anzusehen. Einer seiner Theoretiker, Jacques-Bénigne Bossuet( 1627-1704), drückte es so aus:„ Gotthat die Könige als seine Diener( ministres) eingesetzt,und herrscht durch sie über die Völker".25
Eine besondere Note erhielt das barocke Herrschertumdurch die enge Verschränkung von Glauben und Real-politik in der so genannten Pietas Austriaca, der Fröm-migkeit des österreichischen Herrscherhauses, die im17. und 18. Jahrhundert öffentlich und mit Nachdruckdemonstriert sowie text- und bildlich propagiert und aufdie später, etwa durch Franz Joseph I., immer wieder Be-zug genommen wurde. Zur Basis jeder Herrschaft gehöreReligiosität und das Leben in den christlichen Tugenden,
das war die Maxime der Habsburger und ihrer Theoreti-ker.26 Besonders verehrt wurden die Dreifaltigkeit und dasKreuz, die als deutlich christliche Merkmale die Abwehrdes Osmanischen Reichs unterstützen sollten. JohannLudwig Schönleben( 1618-1681) bezeichnet als„ die dreiSäulen, auf denen das Glück des Erdkreises" 27 ruhe, denKatholizismus des Hauses Österreich sowie dessen Ver-ehrung der Eucharistie und dessen Glaube an die Imma-culata Conceptio, die Unbefleckte Empfängnis der Mut-ter Jesu, Mariens, also an ihr Freisein von Erbsünde undzwar vom Augenblick der Zeugung durch ihre Eltern an.Das Herrscherhaus, der ganze Hof, sollte die Frömmig-keit vorleben, jedoch schloss die Pietas Austriaca auch dieMissionierung im Volk mit ein. Die Stoßrichtung, in diedie Beförderung des Glaubens gehen sollte, war klar de-finiert. Im Zeichen der Gegenreformation sollten beson-ders all jene Glaubensinhalte angesprochen werden, dievon Katholiken und Protestanten unterschiedlich aufge-fasst wurden. Die Anbetung des Altarsakraments sollte inprunkvollen Fronleichnamsprozessionen, bei denen sichder Hof selbst jedoch betont bescheiden zeigte, vorgelebtwerden. 28 Das besondere Naheverhältnis der Habsburgerzur Gottesmutter Maria verstärkte sich durch zwei wich-tige Siege, die ihrem direkten Einwirken zugeschriebenwurden: Don Juan d'Austria glaubte, seinen Sieg in derSeeschlacht bei Lepanto über die Türken 1571 dem Ro-senkranzgebet zu verdanken, das daraufhin einen beacht-lichen Aufschwung erfuhr. In der Schlacht am WeißenBerg 1621 gewann Kaiser Ferdinand II., der die Madonnaals ,, Generalissima“ und„ Patrona" seiner Heere verehrte,gegen die Protestanten angeblich durch die Hilfe einesmitgetragenen Bildes der- von da an so genannten
Vom Sakralen in der Politik
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