Tschechische 72 Republik
Gebatikte Eier als Nationalkunst
Bei archäologischen Grabungen auf dem altslawischen Gräberfeld in Velké Hostěrádky in Süd-mähren wurden im Jahre 1971 in einem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Grab Eierschalenentdeckt, die ursprünglich wohl rot gefärbt waren und Spuren eines geometrischen Ornamentstrugen. Das Wort kraslice- verziertes Osterei- gehört zum alten tschechischen Sprachschatzund wird bereits in einem lateinisch- tschechischen Wörterbuch in Versform aus der Zeit um1365 angeführt.
Während der sozialen und kulturellen Emanzipation der tschechischen Nation, die im späten19. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand, kamen Ostereier als Belege der nationalen kulturellenEigenart auf regionalen und nationalen ethnographischen Ausstellungen zur Geltung, was sichauch in Museumssammlungen niederschlug. In breiten Schichten der tschechischen Gesellschaftrepräsentierten sie Volkskunst im Sinne einer Nationalkunst. Die Produktion von Ostereiernwurde damals wie später popularisiert und in Schulen und verschiedenen Kursen gefördert.Sie erschienen auf Ansichtskarten, verzierten verschiedenste Osterwaren und als Repräsen-tanten der Volks- und Nationaltradition, wurden sie wichtigen Vertretern des kulturellen, politi-schen und öffentlichen Lebens geschenkt.
Manche Leute spezialisierten sich auf die Anfertigung solcher Eier und hatten ihren Kunden-kreis im Ort, in der näheren Umgebung, auf dem Markt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ent-standen Zentren, wo Ostereier en gros verfertigt wurden, in Mähren besonders in OstrožskáNová Ves und Vnorovy. Verkauft wurden sie in Städten wie Brünn, Prag und Wien und alsSouvenir in böhmischen und slowakischen Bädern. Durch Institutionen wie die GenossenschaftZádruha( 1890-1996) und Ústředí lidových uměleckých řemesel( Zentrum für Volkskunst-gewerbe, 1959-1992) gelangten sie als Ausdruck der kulturellen Tradition der tschechischenNation ins Ausland. Damit überschritten sie den lokalen und regionalen Rahmen, wurdenanderswo als mährisch- slowakische oder mährische Ostereier- je nach ihrer Herkunftbezeichnet, und als Ausdruck von Ethnizität, von tschechischer Nationalkultur, wahrgenommen.
Die mannigfaltige Verzierung von Ostereiern in den tschechischen Ländern wird durchFärbung, Werkzeuge und technische Verfahren bestimmt. Am verbreitetsten ist die Gestaltungdes Dekors mit Bienenwachs und anschließender Färbung. Diese Technik halten die Forscherfür die älteste. Im tschechischen Raum wird sie unter dem Einfluß der popularisierenden Literaturdes 20. Jahrhunderts als Batik bezeichnet. Je nach verwendetem Werkzeug und der Art undWeise des Auftragens des Wachses, unterscheidet man zwei Dekortypen, deren Auftretenauch geographisch zu trennen ist: das sog. Tropfendekor- in ganz Böhmen, West-, Mittelmährenund Schlesien verbreitet- und das Lineardekor, wie es in der mährischen Slowakei und derWalachei bekannt ist. Dieses Linearornament ostmährischer Ostereier besitzt Parallelen in denBatik- Ostereiern aus Mittelost- und Südosteuropa( Polen, Ungarn, Südslawische Länder).Auf diese altertümliche Weise werden in der Tschechischen Republik Ostereier bis heute verziert.
Offizieller Name
Tschechische Republik
HauptstadtPrag/ Prague/ Praha1,22 Mill. Einw.
Amtssprache
tschechisch/ čeština
Einwohnerzahl10,249 Mill.
Bevölkerungsdichte129 Einwohner/ km²
Durchschnittsalter38,4 JahreLebenserwartung75,1 Jahre
Fläche78.866 km²
Unabhängigkeit
Proklamation der Unabhängigkeit28.10.1918; Teilung der Tschecho-
slowakei 01.01.1993
Ethnische ZusammensetzungTschechen 94,0%, Mährer 3,7%,Slowaken 1,9%
Religionen
Katholiken 39%, Protestanten 4,3%,Griechisch Orthodoxe 0,1%,Konfessionslos 39,9%,Sonstige 16,7%
Währung
1 Tschechische Krone/ česká koruna= 100 Heller
Bruttoinlandsprodukt
63,3 Mrd. EuroArbeitslosigkeit
9,8%
Inflationsrate
1,8%
Internetzugänge
14 auf 100 Einwohner
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