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15 + 10 European identities : Österreichisches Museum für Volkskunde ; [21. April bis 4. Juli 2004 ; eine Ausstellung anlässlich des EU-Beitritts zehn neuer Mitgliedsländer am 1. Mai 2004]
Entstehung
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Slowenien 68

Kunst für Bienen

Als die ehemalige Untersteiermark, Teile des südlichen Kärntens( Mießtal, Seeland), das frühereHerzogtum Krain und ein Teil des Küstenlandes, ist Slowenien ein in den Sammlungen desÖsterreichischen Museums für Volkskunde gut repräsentiertes Land. Trachten und Trachtenteileals eines der Hauptinteressensgebiete der frühen Volkskunde sind hier reichlich vorhanden,besonders die Krainer Hauben, ein altertümliches Relikt traditioneller Kleidungsformen. Die Kera-mik ist in der Sammlung mit der sog. Krainer Ware vertreten und dem Haushaltsgeschirr derHafner aus der Reifnitzer Gegend, deren Spezialität auch tönerne Pfeiftiere für die Kinder waren.

Außergewöhnlich und einzigartig ist die im Museum befindliche Sammlung von Ethno-graphika aus dem Gottscheer Land, einer im Hochmittelalter hauptsächlich von Kärntnern undOsttirolern besiedelten Region im Südosten Krains. Bereits im Jahr 1896 verzeichnete das InventarKeramik und Arbeitsgeräte wie Pflug und Ochsenjoch, Holzobjekte- die typischen geschnitztenMulden und Trinkfäßchen-, Tierfallen- vor allem für die in dieser Region charakteristischeJagd auf Bilche( Siebenschläfer)- und Möbel wie Truhen und Wiegen. Diese Sammlung wurdespäter von Maria Kundegraber zwischen 1961 und 1968 erweitert und ergänzt, zu einer Zeit,als das deutschsprachige Leben in der Gottschee bereits Geschichte war. In diesem Zusammen-hang ist auch erwähnenswert, daß die Inventarnummer 1 der heute etwa 125.000 Bändeumfassenden Bibliothek des Österreichischen Museums für Volkskunde der Band Die deutscheSprachinsel Gottschee, Graz, 1895, von Adolf Hauffen, ist.

Die Slowenien- Sammlung des Museums enthält auch die slowenische Variante der- mit Eiferin der gesamten Monarchie gesammelten- Ostereier: mit Blumenmotiven auf flächigem brau-nem Grund. Und eine der slowenischen Spezialitäten, die heute in keinem Fremdenverkehrs-prospekt des Landes fehlen, fehlen natürlich auch in den Sammlungen des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde nicht: die bemalten Stirnbrettchen der slowenischen Bienenstöckeaus Krain mit ihrer reizvollen vieldeutigen Bilderwelt religiösen oder weltlichen Charakters.

Die in der Wiener Sammlung überlieferten über 30 Exemplare zeigen einen Querschnittder in diesem Genre üblichen Darstellungen. Hiervon zu sehen sind zwei Bilder aus dem unmit-telbaren Umfeld der Imkerei selbst, eines davon eingebettet in die alttestamentarischeGeschichte vom mit Aussatz geschlagenen Hiob auf dem Misthaufen. Zwei andere Darstellungensind schwankhaften Inhalts des Typus verkehrte Welt bzw. des Handwerkerspotts, wennFuchs und Hase den Jäger rasieren und die Schnecke den sprichwörtlich langsamen Schneiderjagt. Eine weitere Tafel zeigt auf einem einzigen Brett eine Folge biblischer Szenen von derVerkündigung und Heimsuchung bis zur Geburt Jesu, die Darbringung im Tempel und denzwölfjährigen Jesus im Tempel. Historische Ereignisse, wie kriegerische Auseinandersetzungenund einzelne Kämpfe, die meist einschneidende Folgen für die Bevölkerung hatten, bleiben inder volkstümlichen Bildtradition ebenfalls nicht ausgespart, wie auf dem Bild der mit erhobenenSäbeln aufeinanderzusprengenden Reiter zu sehen ist.

Literatur

Maria Kundegraber:Volkskunde der Gottscheer.Wien und Stainz, 1980

Gorazd Makarovič u.a.:Der Mensch und die Biene.Die Apikultur Sloweniens in dertraditionellen Wirtschaft undVolkskunst.

Ljubljana und Wien, 1989