Slowakische 60 Republik
Mobile Europäer des 19. Jahrhunderts
Die Slowakei gilt als Ursprungsland der Drahtbinderei. Im Umkreis der nordslowakischen StadtTrenčín und in der Region Kysuce nahm das Gewerbe seinen Anfang und erlebte im 19. undAnfang des 20. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Die im deutschsprachigen Bereich der Monar-chie unter der Bezeichnung» Rastelbinder«< bekannten slowakischen Drahtbinder zogen durchganz Europa, flickten zerbrochene Töpferwaren und boten selbstgefertigte Haushaltsgerätewie Untersätze, Siebe, Schöpfkellen, Körbe und Mausefallen zum Kauf an. Durch ihre slowakischeTracht und die mitgeführte bunte Warenpalette bildeten sie in den Städten der Monarchie eineauffallende Erscheinung, die durchaus verkaufsfördernd wirkte. Die regionaltypische Kleidungsignalisierte Kompetenz in der traditionellen Handwerkstechnik. Damit wurden die Drahtbinder,gleich anderen Wanderhändlern, auch häufig zum Sujet der volkstümlichen darstellenden undbildenden Kunst.
Im Österreichischen Museum für Volkskunde ist ihr Abbild auf einem romantisierendenÖlgemälde des 19. Jahrhunderts, auf einer feinen Bleistiftzeichnung von Ladislaus Ritter vonBenesch, dat. 1868, und in Form zweier bekleideter Krippenfiguren, um 1900, vertreten. Die vonden Ausübenden dieses Berufszweiges angewandte Technik der Drahtbindung wurde bereitsim Gründungsjahr des Museums 1895, und späterhin noch öfter, anhand einer umdrahtetenHabaner Fayence dokumentiert. Der Teller mit dem Motiv eines springenden Hirschen stammtaus der Westslowakei( ehemals Oberungarn) und ist in Netzbindung gesichert worden, um ihnnach dem ursprünglichen Bruch wenigstens noch als Zierteller verwenden zu können.
In den Sammlungen befinden sich eine Reihe solcher umdrahteter Keramiken, die zeigen,daß ein gebrochenes Gefäß früher noch lange kein Wegwerfgegenstand war. Die Drahtbinder,deren Geschick man unter anderem die Möglichkeit solch sparsamer Haushaltsführungdankte, haben indes ihr früheres Ansehen eingebüßt. Nur ihre Kunstfertigkeit wird heute langsamwieder geschätzt und taucht in neuem Gewand, etwa in der zeitgenössischen Schmuckkunst,aufs neue auf.
LiteraturFil de fer.
New York, Paris, London, 1994
Der eiserne Faden.
(= Kataloge des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde, Bd. 63)Wien, 1995.
Katarína Kekelyová:
Drotárstvo.
Žilina, 1992