Slowakische 56 Republik
Der Klang der Heimat
Slowakische Schafhirten behaupteten früher, der Klang einer Fujara beruhige die Schafe undhielte sie zusammen. Das Instrument, ein großes zylindrisches Rohr aus der Familie der Drei-Loch- Flöten, hat in der Gegend um Zvolen und Banská Bystrica zu Beginn des 18. Jahrhundertsseinen Ursprung. Dichter und Maler des 19. Jahrhunderts beschrieben sie, jeder auf seineWeise. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert rückte das Instrument auch bereits in dasZentrum von Sammlerinteressen. 1898 brachte Otto Hermann eine Kollektion von 20 Fujarasin das Ethnographische Museum Budapest. Auch in Prag und Martin hielten sie Einzug in dieEthnographischen Museen.
Im Prozeß der Herausbildung von Nationalbewußtsein, der sich in allen Kronländern derdamaligen österreichisch- ungarischen Monarchie im Laufe des 19. Jahrhunderts intensivierte,suchte man überall nach außerordentlichen» landestypischen« kulturellen Merkmalen derRepräsentation. Als Symbol slowakischer Kultur kam dabei die Fujara mit ihrem charakteris-tischen Klang zum Zug. Ján Francisci berichtete 1850 über die Einladung von vier Slowakenaus der Gegend von Zvolen zum» Slawonischen Ball«< in Wien. Als diese, sehr zur Freude desGastwirts bei dem sie nächtigten, schon am Vorabend des Balles in der Gaststube auf der Fujaraund dem Dudelsack aufspielten, füllte sich blitzartig die Stube mit begeisterten Zuhörern.Damit war der Schritt vom ursprünglichen funktionellen Kontext des Hirteninstruments zujenem des Nationalsymbols getan. Diese Entwicklung setzte sich im 20. Jahrhundert bei den>> Ethnographischen Festivals«< fort, die nach dem 2. Weltkrieg als» Folklore Festivals«< mit demunveränderten Zweck fortlebten,»> slowakisches« Bewußtsein zu festigen. Seit der Bildung deseigenen Staates in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts steigerte sich dieserTrend. Fujaras wurden zum offiziellen Staatsgeschenk für Politiker, und erklangen auch bei derErklärung der Unabhängigkeit 1993.
Der Bedeutungswandel der Fujara hatte interpretatorische und morphologische Verände-rungen zur Folge: 1. Ihre ursprüngliche» Intimität« ging verloren. Heute ist die Fujara eher einBühneninstrument, ein Teil von Volksmusikensembles. 2. Die Größe änderte sich. Ursprünglichwaren sie 93 cm lang, heute erreicht manche Fujara eine Länge von 250 cm. 3. Auch die Spiel-weisen sind anders. Wurden in der Vergangenheit wunderbare rhapsodische Melodien auf derFujara hervorgezaubert, so genügt es heute, wenn ein Spieler den sogenannten» rozfuk<<( die Ton-leiter) anspielt, was in Wahrheit nur dazu ausreicht zu beweisen, daß das Instrument überhauptfunktioniert. 4. Die symbolische überschattet weitgehend die ursprüngliche Funktion. Dem äuße-ren Erscheinungsbild wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der Akustik. Fujaras werdenals bloße Dekoration für Landhäuser gekauft.
Wie auch immer, dieses neue Interesse hat auch positive Aspekte. Nie zuvor gab es so vieleInstrumentenbauer für die Fujara wie derzeit, und sie hat sich inzwischen auch in den Städtenetabliert. In der heutigen Slowakei wird die Fujara von mehr Doktoren, Ingenieuren, Technikern undLehrern gespielt und mit Aufmerksamkeit bedacht, als ihr je von der ländlichen Bevölkerungentgegengebracht wurde. Von einem ursprünglich rein regionalen Phänomen ist sie zu einem Sym-bol mit Integrationsfunktion geworden, das verschiedene kollektive Identitäten zu stärken vermag.
Offizieller Name
Slowakische Republik
Hauptstadt
Preßburg/ Bratislava/ Bratislava460.000 Mill. Einw.
Amtssprache
slowakisch/ slovenský jazyk,ungarisch( regional); weitereSprache: tschechisch
Einwohnerzahl
5,430 Mill.
Bevölkerungsdichte110 Einwohner/ km²
Durchschnittsalter
35 Jahre
Lebenserwartung74,4 Jahre
Fläche49.034 km²
Unabhängigkeit
1. Jänner 1993,Teilung der Tschechoslowakei
Ethnische ZusammensetzungSlowaken 85,6%, Ungarn 10,6%,Tschechen 1,1%, Ukrainer 0,7%,Deutsche 0,1%, Sonstige 1,9%
Religionen
Katholiken 60,3%, Protestanten7,9%, Sonstige 31,8%
Währung
1 Slowakische Krone/ slovenskákoruna= 100 Heller
Bruttoinlandsprodukt
22,8 Mrd. EuroArbeitslosigkeit
17,2%
Inflationsrate
3,3%
Internetzugänge
17 auf 100 Einwohner
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