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15 + 10 European identities : Österreichisches Museum für Volkskunde ; [21. April bis 4. Juli 2004 ; eine Ausstellung anlässlich des EU-Beitritts zehn neuer Mitgliedsländer am 1. Mai 2004]
Entstehung
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Malta

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Volksüberlieferungen in Malta

Obgleich nur 93 Kilometer südlich von Sizilien gelegen, war die Inselgruppe Malta nie Zieleiner Forschungs- oder Sammelreise der in Wien oder für Wien tätigen Ethnographen, wie diesfür die verschiedensten Regionen Italiens der Fall gewesen war. Und falls es je Urlaubs- oderBildungsreisen dorthin gegeben hat, so haben diese zumindest keinen Niederschlag in denSammlungen des Österreichischen Museums für Volkskunde gefunden. Auf der Suche nachSpuren möglichst altartiger Relikte materieller Kultur und Lebensformen waren Michael undArthur Haberlandt, Rudolf Trebitsch und Eugenie Goldstern sowie Emmerich Prettenhofer ja vomnördlichen Italien, speziell Friaul, dem Aostatal, dem Piemont bis in die römische Campagnaund nach Kalabrien vorgedrungen, und größere Bestände an Hausrat und Geräten sind ausSardinien und Sizilien vorhanden.

Die Lebensformen der vorindustriellen Gesellschaft auf diesen beiden großen italienischenInseln dürften wohl allerdings nicht sehr verschieden von jenen auf Malta und Gozo gewesen sein.Nach einer wechselvollen Vorgeschichte war Malta vom 11. bis zum 16. Jahrhundert mit dergroßen Nachbarinsel verbunden. Dies änderte sich ab 1530 mit der Übernahme der Herrschaftauf Malta durch den Johanniterorden, der bis 1798 politisch und kulturell bestimmend blieb.Nach einem kurzen französischen Intermezzo in napoleonischer Zeit, fiel Malta 1814 England zu,das bis zur Erlangung der Unabhängigkeit 1964 nicht nur sprachlich prägend blieb. Trotz alldieser fremden Einflüsse durch Phönizier und Araber, Spanier und Ordensritter, Italiener undBriten ist es den Maltesern jedoch gelungen, ihre Eigenständigkeit innerhalb der Kulturen desMittelmeerraumes zu bewahren. Diesen Weg scheint man auch innerhalb der zukünftigenGemeinschaft der EU- Länder beschreiten zu wollen. Kein anderes Beitrittsland hat in den Ver-handlungen so viele Ausnahmeklauseln erwirkt wie Malta. Da ging es nicht nur darum, das vonden etwa 400.000 Maltesern gesprochene Maltesisch, mit seiner semitischen Substruktur, alsgleichberechtigte Amtssprache in der EU durchzusetzen, sondern u.a. etwa auch das Rechtder traditionellen Jagd auf Singvögel.

Maltas Sprache und die reiche Volksüberlieferung an Märchen, Legenden, Liedern undRätseln haben nicht nur die Folkloristik auf Malta selbst zu einem bedeutenden Wissenschafts-zweig werden lassen, sondern auch Sprachwissenschaftler aus anderen Ländern, wie etwaReinhold Kontzi, angezogen. Ein Niederschlag davon findet sich in der Bibliothek des Österreichi-schen Museums für Volkskunde mit kommentierten Ausgaben der entsprechenden Texte inmaltesischer und deutscher Sprache von Hans Stumme und Bertha Ilg. Der österreichischeRomanist Felix Karlinger würdigte 1960 in seiner Ausgabe Inselmärchen des MittelmeeresMalta als Drehscheibe des Mittelmeerraumes und als Brücke zwischen ost- und weströmischerKultur. Der maltesische Folklorist J. Cassar Pullicino hinterließ der Bibliothek ein Manuskriptzur Geschichte der maltesischen Volkserzählungen. Ġorġ Mifsud- Chircop katalogisierte diemaltesischen Erzählungen, brachte Folklorestudien an die Universität( 2001-), gründete 1998ein seither jährlich stattfindendes Volksliedfestival, produzierte 26 Dokumentationen über dasHandwerk in Malta und bemüht sich um die Entwicklung einer neuen wissenschaftlichenPerspektive für die Folkloristik.

Literatur

Hans Stumme:

Maltesische Studien. Eine Samm-lung prosaischer und poetischerTexte in maltesischer Sprache.Leipzig 1904

Hans Stumme:

Maltesische Märchen, Gedichteund Rätsel in deutscher Über-setzung. Leipzig 1904

B. Ilg und H.Stumme:Maltesische Volkslieder im Urtextmit deutscher Übersetzung.Leipzig 1909.

( unveränd. Nachdruck 1968)

Ġorġ Mifsud- Chircop:

Manwel Magri. Ħrejjef Missirijietna.Edizzjoni Kritika[ Manwel Magri.Volkserzählungen unserer Vor-

fahren. Eine kritische Edition]Malta, 1994

Ġorġ Mifsud- Chircop:

Il- Folklor Malti I, II- Folklor Malti II[ Malteser Folklore I,

Malteser Folklore II], Malta, 2003.