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15 + 10 European identities : Österreichisches Museum für Volkskunde ; [21. April bis 4. Juli 2004 ; eine Ausstellung anlässlich des EU-Beitritts zehn neuer Mitgliedsländer am 1. Mai 2004]
Entstehung
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Estland 20

Das estnische Bauernhaus

Mit ausgesprochener Bewunderung können wir heutzutage zur Kenntnis nehmen, mit welchweitem geographischen Horizont die Gründergeneration der Ethnographischen Museen undGesellschaften in ganz Europa ihre sammlerischen und wissenschaftlichen Interessen in denersten Jahrzehnten nach dem Start der Institutionen verfolgt haben. Waren doch- und das 1909gegründete Estnische Nationalmuseum in Tartu samt seinem der Volkskunde gewidmetenZweig bildet dabei keine Ausnahme- die meisten dieser Unternehmungen unter den damaligenpolitischen Verhältnissen der jeweiligen Länder nach außen wie gleichermaßen nach innengerichtete Manifestationen der nationalen Selbstdarstellung und-findung. Genauso stark waraber auch der Rettungsgedanke verankert, unter dessen Vorzeichen man vermeinte, eine zuEnde des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Auflösung begriffene volkstümliche Kultur inihren Artefakten zu sammeln und damit für die Nachwelt bewahren zu müssen.

Jedenfalls verzeichnet Eesti Rahva Muuseumi Aastaraamat II, das zweite Jahrbuch desEstnischen Nationalmuseums im Jahr 1926 unter den» Namen der gelehrten Gesellschaften,Museen etc.<< mit denen es im Schriftentausch steht, und dessen Liste u.a. von den skandina-vischen Ländern über Großbritannien, Spanien, Schweiz, Ungarn, Italien, Bulgarien bis Sibirienreicht, für Österreich neben dem Landesmuseum Joanneum in Graz und der AnthropologischenGesellschaft in Wien auch den am Wiener Volkskundemuseum angesiedelten Verein für Volks-kunde. Die Tradition dieser Verbindung ist ungeachtet aller kriegsbedingten Ereignisse undWirren des 20. Jahrhunderts bis heute aufrecht, und so verzeichnet die Bibliothek des Öster-reichischen Museums für Volkskunde nicht nur lückenlos alle Jahrgänge dieser wichtigstenestnischen volkskundlichen Zeitschrift, sondern daneben auch zahlreiche weitere Tausch-exemplare bedeutender Bücher und Sonderdrucke zur Volkskunde Estlands- natürlich auchneu gegründete Reihen aus jüngster Zeit wie Pro Ethnologia. Manche der älteren Werke, wiejene von Ilmari Manninen und dem in Stockholm beheimateten Gustav Ränk, sind mit hand-schriftlichen Widmungen an die Wiener Kollegen versehen.

Die beiden genannten Autoren haben sich besonders mit der Hausforschung in Estlandbeschäftigt, und auch das für diese Ausstellung aus den Sammlungen des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde ausgewählte Objekt entstammt dieser Sparte des klassischen volks-kundlichen Kanons. Leopold Schmidt, dem während der Jahrzehnte seiner Direktion von 1952bis 1977 das Sammeln von Werken der bildenden Kunst mit volkskundlichem Quellenwert einbesonderes Anliegen war, widmete dem Museum 1955 einen Holzschnitt von Joh. Naha, dermit 1942 datiert ist und einen» Bauernhof in Nord- Estland«< zeigt. Vermutlich handelt es sichdabei um den in Estland und im Norden Lettlands verbreiteten Typus einer sog. Riegenwohnung,die eine Verbindung von Wohnhaus, Dörrhaus und Viehstall darstellt. Das abgewalmte Strohdachverleiht dem Haus seine typische Form, die zahlreichen Dachreiter am Kamm sollen Schutzgegen Wind und Wetter bieten. Ziehbrunnen, Einbaumtrog, Holzbock und Wasserschaff,sowie die hühnerfütternde Bäuerin im Hof, komplettieren die Bildkomposition.

Literatur

I. Manninen:Setude ehitused

Die Bauten der SetukesenSeparatdruck aus Eesti RahvaMuuseumi Aastaraamat I- 1/Tartu 1925-26

Gustav Ränk:

The Estonian Dwelling- HouseExcerptum Apophoreta TartuensiaStockholm 1949.

Gustav Ränk:

Die Bauernhausformen imbaltischen RaumWürzburg 1962