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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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räumlich beschränkt bleiben, sodass sich fallweise Autoren mit Ergänzungen meldeten.Beide erforschten so mit unterschiedlichem Erkenntnisinteresse und unterschiedlichem ,, For-schungsdesign" große Areale, hauptsächlich innerhalb der österreichisch- ungarischen Mo-narchie.

Dem gegenüber konzentrierten sich Gerambs Arbeiten in dieser frühen Phase auf die Steier-mark und die Erhebungen Rudolf Meringers waren zunächst von Wien aus über das Mürztalbis Aussee regional beschränkt und wurden erst in weiterer Folge auf Bosnien und Kroatienals von ihm präferierte Forschungsgebiete ausgedehnt. Die primäre Zugangsweise der Schil-derung einer regionalen Ausprägung war auch bei ihm biographisch begründet, wenn er alsWiener( wie Andrian und viele andere) dem Zug der Wiener Bürger in das Salzkammergutfolgte. Selbst wenn Meringer ausgeprägte wissenschaftliche Interessen hatte, so stand er dochzugleich in einer allgemeineren gesellschaftlichen Tendenz, die zur Adoptierung und Adap-tierung von Elementen vernakularer Architektur für die Zwecke des Tourismus führte. Schonin dieser Frühphase des Tourismus spielte die Landschaft- und als ein wesentliches Elementder Kulturlandschaft auch die vernakulare Architektur- eine wesentliche Rolle und wurdedaher auch in den Villen- und Hotelbauten der Zeit zumindest zitiert. 52

Terminologien und Typenbildung

Neben der Dokumentation des Baubestandes war die Konstruktion von Typen samt zugehö-rigen Verbreitungsgebieten und Terminologien ein wesentlicher Aspekt der Beiträge. In An-lehnung an die ethnologische Tradition schlug Bancalari vor, Haustypen nach dem Land oderder Region des, Erstkontakts" zu benennen, sah jedoch in der Folge selbst die Probleme undZufälligkeiten dieser Vorgehensweise ein, zum Beispiel wenn er feststellte, dass das so ge-nannte ,, oberdeutsche" Haus auch in romanisch oder slawisch besiedelten Gebieten zu findensei. 53 Er bevorzugte daher in der Folge Termini, die von der inneren Struktur der Häuser ab-geleitet waren und nicht von ethnischen Bezeichnungen. Außerdem behalf er sich mit Be-zeichnungen wie halbtypische Häuser 54 oder den kulturpessimistisch angehauchten Aus-drücken ,, kranke" oder, verwelkte" Typen."

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Bei der Konstruktion von Haustypen gab es in dieser frühen Phase unterschiedliche Gradeder Abstraktion, wobei die angestrebte Typenbildung für das Haus als Einheit schon deshalbäußerst problematisch war, da sie meist nur auf einem ersten Gesamteindruck oder einemspezifischen Element beruhte.

Am stärksten am empirischen Befund orientiert waren Schilderungen einzelner Wohnbautenoder Gehöfte, die exemplarisch vorgestellt und in der Regel sehr detailliert beschrieben wur-den. Sie wurden teilweise schon von den Autoren als typisch eingestuft, oft jedoch führtedas Vorhandensein der genauen Beschreibung in weiterer Folge zu einer gewissen Auratisie-

51 So motivierte Bünkers Arbeit zu Siebenbürgen im Jahr 1899( J[ ohann] R[ einhard] Bünker: Das siebenbür-gisch- sächsische Bauernhaus. In: MAGW 29( 1899), S. 191–231) zwei Jahre später eine explizit als Ergänzungdeklarierte Arbeit von Karl Fuchs: Der Burzenländer Hof. In: MAGW 31( 1901), S. 275–296.

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Vgl. dazu z. B. Désirée Vasko- Juhász: Die Südbahn. Ihre Kurorte und Hotels. Wien, Köln, Weimar 2006(= Semmering- Architektur, 1); Günther Buchinger: Villenarchitektur am Semmering. Wien, Köln, Weimar2006(= Semmering- Architektur, 2); zu den Bautypen in der Schweiz: Crettaz- Stürzel 2005( wie Anm. 5),S. 223-292.

53 Vgl. z. B. Bancalari 1892( wie Anm. 28), S.[ 60]; Bancalari 1893( wie Anm. 25), S. 135.

54 Bancalari 1892( wie Anm. 49), S.[ 86].

55 Z. B. ebd. und Gustav Bancalari: Forschungen über das deutsche Wohnhaus. In: Das Ausland. Wochenschriftfür Erd- und Völkerkunde 66( 1893), S. 677-679, 693-699, 709-717, 731-735, 743-747, hier S. 678.

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