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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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dass jeder Forscher von einem Fotografen begleitet werden sollte, 45 Bünker hingegen betätig-te sich selbst als Fotograf: Bereits 1895 berichtete er, dass von 36 aufgenommenen Fotos nurzwei- durch seine eigene Schuld- misslangen, 46 doch erst 1905 erschien sein erster Beitragin den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft, in dem auch ein Foto abgedrucktwurde. Es zeigt- durchaus typisch für den objektorientierten Zugang- den Dorfplatz men-schenleer, obwohl Bünker ansonsten die Befragung der Bewohner und anderer Personen for-derte und soziale und wirtschaftliche Daten in seine Darstellungen integrierte.47Allerdings wurden Fotos in hauskundlichen Arbeiten über den zentraleuropäischen Raumdeutlich später gedruckt als in z. B. ethnologischen Beiträgen, was als Wertung innerhalb derGesellschaft interpretiert werden könnte, doch sind es gerade die Zeichnungen Bünkers inihrem Detailreichtum, die die Verwendung von Fotos möglicherweise obsolet erscheinenließen.

Die ,, Eroberung der Landschaft" durch die Hausforscher erfolgte schon in dieser Phase sehrunterschiedlich. Bancalari postulierte die Strecken- und Punktforschung" als methodischeVorgehensweise, um Überblicks- und Detailkenntnisse möglichst schnell und rationell kom-binieren zu können.48 Um diesen Ansatz bekanntzumachen und zu forcieren, veranstaltete erauch eine Exkursion nach Salzburg, bei der diese Vorgehensweise geübt werden sollte. DieAnkündigung lautete:

,, Excursion der Anthropologischen Gesellschaft in Wien zu den Pfingsfeiertagen[!]( 5. und 6. Juni) 1892, unter der Führung des Herrn GUSTAV BANCALARI.

Zweck: Praktische Darlegung einer Beobachtungsmethode zur Erforschung und Dar-stellung ländlicher Wohnhaustypen.

Aufgabe: Wie sind die Häuser auf der Weglinie Salzburg- Mattsee- Mattighofen-Uttendorf beschaffen?" 49

Ein Fußweg von 21 km am ersten Tag und( bei wetterbedingter Programmänderung) dasAufmessen eines Einhofes am zweiten Tag waren bei dieser Exkursion die wesentlichen Pro-grammpunkte.

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Im Gegensatz zu Bancalari bearbeitete Bünker jeweils eine überschaubare Region. Er beganndabei an seinem Wohnort Ödenburg, durchreiste jedoch in der Folge und teilweise geför-dert durch die Anthropologische Gesellschaft- immer weiter entfernte Teile der Monarchie.Seine Veröffentlichungen mussten bei aller Genauigkeit- oder gerade deswegen- auch

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45 Bancalari 1892( wie Anm. 28), S.[ 63].

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J[ ohann] R[ einhard] Bünker: Das Bauernhaus in der Heanzerei( Westungarn). In: MAGW 25( 1895), S. 89-154, hier S. 91f; vgl. a. Burkhard Pöttler: Zur frühen Phase volkskundlicher Haus- und Wohnforschung in derSteiermark. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 100( 2009), S. 285–297, hier S. 291.

47 J[ ohann] R[ einhard] Bünker: Windische Fluren und Bauernhäuser aus dem Gailtale in Kärnten. In: MAGW35( 1905), S. 1-37, hier S. 17.

48 Bancalari 1892( wie Anm. 28), S.[ 57]-[ 61]. Statt Strecken- finden sich auch die Begriffe Linien- oder Rou-tenforschung, was die tastenden Versuche hinsichtlich einer allgemein gültigen Terminologie dokumentiert.

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Gustav Bancalari: Ausflug, veranstaltet von der Wiener Anthropologischen Gesellschaft zum Zwecke derHausforschung am 5. und 6. Juni 1892. In: MAGW 22( 1892), S.[ 85]-[ 88], hier S.[ 86]( Kursive im Originalgesperrt, Kapitälchen übernommen. Die Gesellschaftsleitung" spricht Herrn Obersten BANCALARI für dasgelungene Arrangement und die lehrreiche Durchführung dieser Excursion ihren wärmsten Dank" aus. Ebd.,S.[ 88].

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Ebd., S.[ 86][ 88]. Ob die Wahl des Begriffs Ausflug" im Titel des Berichts als Indiz der UnzufriedenheitBancalaris mit dem wissenschaftlichen Ertrag der Exkursion zu deuten ist, lässt sich leider nicht klären.