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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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Ungarn und in Graz war etwas später Viktor Geramb intensiv im Verein für Heimatschutztätig, wobei jedoch, wie Antje Senarclens festhielt, sein wissenschaftliche[ r] Zugang[...]zunächst nicht im Zentrum der Interessen des steirischen Heimatschutzvereines" stand.³Auch wenn es zwischen den Hausforschern meist einen sehr sachlichen Austausch gab, sowar der Diskurs durchaus nicht immer frei von Animositäten, die zwar inhaltlich begründetwurden, jedoch zugleich als Absteckung von Claims interpretiert werden können. So zumBeispiel die Auseinandersetzungen zwischen Anton Dachler, Michael Haberlandt und ViktorGeramb, die übergreifend nicht nur in den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft,sondern auch in der Zeitschrift des 1894 gegründeten Vereins für Volkskunde geführt wur-den und von der Kritik Dachlers an Gerambs Methode und Ergebnissen ihren Ausgang nah-

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So groß die Bedeutung der Anthropologischen Gesellschaft auf dem Gebiet der Hausfor-schung von 1891 an war, so wurde sie doch schon wenige Jahre später wieder langsam redu-ziert: die Gründung des Vereins für Volkskunde in Wien führte dazu, dass sich die auf Öster-reich- Ungarn konzentrierte Hausforschung einerseits regional von der gesamt- ethnologischenund andererseits zeitlich von der prähistorischen abkoppelte und zunehmend in die Zeit-schrift für Österreichische Volkskunde wechselte, wobei jedoch auch innerhalb der Anthro-

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3 Österr. Ingenieur- und Architekten- Verein( Hg.): Das Bauernhaus in Österreich- Ungarn und in seinen Grenz-gebieten. Dresden 1906; dazu passt durchaus die räumliche Situation: Die Anthropologische Gesellschaft hieltihre Versammlungen von 1880-1911 in den Räumlichkeiten des 1876 gegründeten Wissenschaftlichen Clubsab, der wiederum im 1872 feierlich eröffneten Gebäude des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines in Wien I, Eschenbachgasse 9, untergekommen war. Angelika Heinrich: Vom Museum der Anthropo-logischen Gesellschaft in Wien zur Prähistorischen Sammlung im k. k. Naturhistorischen Hofmuseum( 1870-1876-1889-1895). In: MAGW 125/126( 1995/1996), S. 11-42, hier S. 30-32 mit älterer Literatur.

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Senarclens de Grancy 1999( wie Anm. 36), S. 217.

Vgl. dazu z. B. die Kritik Dachlers an Gerambs Arbeit von 1908, in die er auch Bancalari und Meringer miteinbezieht, da sie Feinde einer ethnographischen Einteilung der Hausform"( 216) gewesen seien, wobei dieheftige Kritik Bancalaris an Dachler im Jahr 1897( Gustav Bancalari, A. Dachler: Das Bauernhaus in Niederös-terreich und sein Ursprung. Mit drei Tafeln und einer Karte. Wien 1897. Sonderabdruck aus dem ,, Bl. für Lan-desk. von Niederösterreich", 56 Seiten. In: MAGW 27( 1897), S. 235-236) hier vielleicht noch mitschwingt.Geramb kritisiert in seiner Replik, dass er keine Möglichkeit mehr hatte, etwas zu[ s] einer Rechtfertigungvorzubringen[.] Man verliert daraufhin wahrlich die Lust, zu polemisieren, und es geschieht nur um der Sachewillen, wenn ich nun dennoch beginne, auf Dachlers Replik Punkt für Punkt zu antworten. Viktor von Ge-ramb, Ein Nachwort zu meiner im Vorjahre in diesen Mitteilungen erschienenen Arbeit. Gegen A. Dachler undK. Rhamm. In: MAGW 39( 1909), S. 282-285, hier S. 283( Hervorhebung im Original gesperrt). Die heftigenÄußerungen Gerambs ziehen Gegenstellungnahmen von Michael Haberlandt und Dachler nach sich: M[ ichael]Haberlandt: Zur Abwehr gegen Dr. V. v. Geramb( diese Mitteilungen, Bd. XXXIX, Heft 5, S. 282). In:MAGW 39( 1909), S. 359; Anton Dachler: An die Redaktion der Mitteilungen der Anthropologischen Gesell-schaft in Wien". In: MAGW 39( 1909), S. 359-360. Vgl. a. Helmut Eberhart: Nationalgedanke und Hei-matp[ f] lege: Viktor Geramb und die Institutionalisierung der Volkskunde in Graz. In: Wolfgang Jacobeit u. a.( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in derersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wien, Köln, Weimar 1994, S. 427-439, hier bes. S. 428. Zur Situation derVolkskunde in Wien um 1900 siehe Olaf Bockhorn: ,, Volkskundliche Quellströme" in Wien: Anthropo- undPhilologie, Ethno- und Geographie. In: ebd., S. 417-424; ders.: Von Ritualen, Mythen und Lebenskreisen:Volkskunde im Umfeld der Universität Wien. In: ebd., S. 477-526, und Herbert Nikitsch: Auf der Bühne früherWissenschaft. Aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde( 1894-1945). Wien 2006(= Buchreihe der Ös-terreichischen Zeitschrift für Volkskunde, NS 20); zu den volkskundlichen Vereinen ab 1890 in Deutschland:Anita Bagus: Volkskundevereine in Deutschland. Zur außeruniversitären Generierung volkskundlichen Wissensab 1890. In: Schürch u. a.( Hg.) 2010( wie Anm. 27), S. 35-44.