ning und August Meitzen referierte Bancalari zwar, relativierte sie jedoch in den meistenFällen.
Der große Impetus und wohl auch die große Akzeptanz der Studien zum„ Bauernhaus“ in-nerhalb der Anthropologischen Gesellschaft zeigt sich an der Zahl der einschlägigen Artikel:1896 waren drei von neun, 29 1897 sogar fünf von zehn Beiträgen³0 diesem Thema zuzuord-nen. Der ,, Fonds für praktische Arbeit“ unterstützte u. a. ab 1900 über mehrere Jahre auch diehauskundlichen Arbeiten Bünkers, sodass es nur verständlich war, dass Bünker in diesemJahr Mitglied der Anthropologischen Gesellschaft wurde. 31 Jedoch zeigte sich- wie auch inanderen Vereinen der Zeit- die soziale Binnendifferenzierung u. a. an der Tatsache, dassweder Bancalari noch Bünker, als zwei der produktivsten Autoren, dem Komitee zur Erfor-schung des Bauernhauses angehörten. Es gab also innerhalb der Anthropologischen Gesell-schaft zwei Ebenen von Hausforschung: einerseits die der„ Laienforscher", die zum Teil sehrproduktiv waren und deren Ergebnisse auch von den„ Akademikern“ in der Gesellschaft ge-achtet wurden, wenngleich ihnen nicht immer zugestimmt wurde. Und dann die„ offizielle"Seite der Hausforschung, vertreten durch die Mitglieder des Komitees, die teilweise auch alsForscher auf diesem Gebiet tätig waren und jedenfalls„ Wissenschaftsmanagement" betrei-ben sollten.
Dennoch gab es für die„, Laien" wesentliche Anreize: Diese waren nicht nur finanzieller Artwie bei Bünker, sondern eine wesentliche Anerkennung stellte die Publikation ihrer Aufsätzein einem renommierten Organ dar. Da sich die drucktechnischen Möglichkeiten in der hierbehandelten Periode besserten, wurden die Beiträge optisch zusätzlich zu den zahlreichenZeichnungen immer öfter mit Fotos aufgewertet. So stellten das erworbene Spezialwissenund die Akzeptanz innerhalb der Anthropologischen Gesellschaft gerade für Bancalari undBünker wichtiges symbolisches Kapital dar, das sie freilich als„ Autodidakten" auch immergegen die Repräsentanten des institutionalisierten kulturellen Kapitals verteidigen mussten.
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Gustav Bancalari: Forschungen und Studien über das Haus. I. Rauchhaus, Herd, Ofen, Rauchfang, Kamin. In:MAGW 26( 1896), S. 93-128; Raimund Friedrich Kaindl: Haus und Hof bei den Huzulen. Ein Beitrag zurHausforschung in Oesterreich. In: ebd., S. 147-185; Wilibald von Schulenburg: Ein Bauernhaus im Berchtes-gadener Ländchen. In: ebd., S. 61-86.
30 Johann] R[ einhard] Bünker: Das ethnographische Dorf der ungarischen Millenniums- Landesausstellung inBudapest. In: MAGW 27( 1897), S. 86-110; ders.: Das Bauernhaus in der östlichen Mittelsteiermark und inbenachbarten Gebieten. In: ebd., S. 113-191; Gustav Bancalari: Forschungen und Studien über das Haus. II.Gegensätze des„, oberdeutschen" Typus und der ländlichen Häuser Frankreichs. In: ebd., S. 193-209; RaimundFriedrich Kaindl: Bei den Huzulen im Pruththal. Ein Beitrag zur Hausforschung in Oesterreich. In: ebd.,S. 210-224; Rudolf Meringer: Zur Geschichte des Kachelofens. In: ebd., S. 225-234.
31 Im Jahr 1900 wurden Bünker 400 Kronen für Forschungen in Kärnten zugesprochen( mit bis zu 200 Kronenzusätzlich für einen Zeichner oder Illustrator). Weitere Unterstützungen bis 1910 umfassten 100 Kronen fürWestungarn, 600 für Tirol, 400 für Zakopane, zwei Mal 400 für den Lungau, 400 für die Obersteiermark und600 für Osttirol, wobei in vielen Fällen Bünkers Arbeit die einzige vom Fonds finanzierte darstellte. Vgl. dazudie jeweiligen Jahresberichte in den MAGW.
32 Eine besondere Anerkennung dürfte es daher für Bancalari gewesen sein, zusammen mit Rudolf Meringerund dem Sekretär der Anthropologischen Gesellschaft, Franz Heger, 1897 als Delegierter zur Konferenz ent-sandt zu werden, die die„, Bauernhauswerke" für Deutschland, Österreich- Ungarn und die Schweiz vorbereitensollte( MAGW 27( 1897), S.[ 21]), und schließlich bis zu seinem Tod als Vertreter der Anthropologischen Ge-sellschaft zu fungieren, wonach Anton Dachler die Vertretung übernahm( MAGW 36( 1906), S.[ 105]). NachBancalaris Tod im Jahr 1900 erschien ein von Franz Heger verfasster umfangreicher Nachruf, der auch seinePublikationen detailliert aufführte: Franz Heger: Gustav Bancalari. In: MAGW 31( 1901), S. 71-79, sowie einetrotz fachlicher Differenzen persönlich sehr wohlwollende kritische Auseinandersetzung von: Rudolf Meringer:G. Bancalari und die Methode der Hausforschung. In: MAGW 33( 1903), S. 252–273.