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Volkskunde aus der Mitte : Festschrift für Olaf Bockhorn zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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geschichte und Ethnologie hatte und im Jahr 1901 352 fast ausschließlich männliche wirkli-che Mitglieder zählte."

Der primären Orientierung der Anthropologischen Gesellschaft entsprechend waren die Ar-beiten aus dem Bereich der Hausforschung in den 1870er und 1880er Jahren entweder prä-historisch ausgerichtet oder befassten sich aus ethnologischer Sicht mit Häusern und Sied-lungen außereuropäischer Kulturen, wie 1887 ein hauskundlicher Beitrag über die Südost-küste Neu- Guineas zeigt.

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Aus dieser Perspektive und angesichts der prominenten Platzierung ethnographischer Dörferbei den Weltausstellungen von Wien 1873¹ und Paris 1878 ist es fast verwunderlich, dasserst 1891 ein Komitee zur Erforschung des Bauernhauses gegründet wurde. Dieses Komitee,das aus Akademikern und höheren Beamten zusammengesetzt war, verstand sich als admi-nistrative und forschungsfördernde Einrichtung und sollte Kontakte zu anderen Organisatio-nen intensivieren. Der langjährige Präsident der Gesellschaft, Ferdinand Freiherr von Andri-an- Werburg, 12 hielt dazu in seinem Jahresbericht fest: Wir haben uns bemüht, nach Massga-be unserer Mittel zur Förderung der Ethnographie in unserem Vaterlande durch Activirungeines Comités für das Studium des Bauernhauses beizutragen 13 und betonte damit eine eth-nographische und nicht architekturgeschichtliche Ausrichtung des Komitees, das unter Lei-tung des Historikers und Statistikers Karl- Theodor von Inama- Sternegg stand. Zugleich zeigtdie Formulierung, dass unter Vaterland" um diese Zeit die gesamte Monarchie verstandenwurde und nicht nur die deutschsprachigen Teile. Wenngleich auch in den folgenden beidenJahrzehnten die nicht deutschsprachigen Gebiete der Monarchie durchaus prominent vertre-ten waren, machten sich dennoch innerhalb der Anthropologischen Gesellschaft- und derHausforschung- zunehmend nationale und nationalistische Tendenzen breit. 15 Als Argument

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9 Zur Geschichte der Anthropologischen Gesellschaft in Wien siehe Karl Pusman: Die ,, Wissenschaften vomMenschen" auf Wiener Boden( 1870-1959). Die anthropologische Gesellschaft in Wien und die anthropologi-schen Disziplinen im Fokus von Wissenschaftsgeschichte, Wissenschafts- und Verdrängungspolitik. Wien,Berlin 2008(= Austria: Universitätsgeschichte, 1). Zur Hausforschung innerhalb der Anthropologischen Gesell-schaft stellt er fest, dass diese höchste Förderung um die Jahrhundertwende und danach erhalten habe und stelltvor allem die in Anlehnung an skandinavische Museen erfolgte Arbeit des studierten Indologen Michael Haber-landt( 1889-1896 und 1908-1920 Ausschussrat, 1921-26 Vizepräsident der Anthropologischen Gesellschaft)heraus. Ebd. S. 61, 106. Zur Mitgliederzahl s. Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien( imFolgenden zitiert als MAGW) 1901, S.[ 3]-[ 13]; zu den wirklichen Mitgliedern kommen 20 Ehrenmitglieder,68 korrespondierende Mitglieder, drei Stifter und 46 unterstützende Mitglieder.

10 O[ tto] Finsch: Hausbau, Häuser und Siedelungen an der Südostküste von Neu- Guinea. In: MAGW 17( 1887)

S. 1-15.

11 Zur Darstellung von Bauernhäusern bei der Weltausstellung 1873 siehe K[ arl] J[ ulius] Schröer: Das Bauern-haus mit seiner Einrichtung und seinem Geräthe.( Gruppe XX). Wien 1874(= Officieller Ausstellungs- Bericht,[ 51]); Martin Wörner: Bauernhaus und Nationenpavillon. Die architektonische Selbstdarstellung Österreich-Ungarns auf den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 97( 1994), S. 395-424, hier S. 402-411; ders.: Vergnügung und Belehrung. Volkskultur auf den Weltausstellungen1851-1900. Münster u. a. 1999, S. 57–65.

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1870-1881 Vizepräsident, 1882-1902 Präsident, danach Ehrenpräsident. Pusman 2008( wie Anm. 9), S. 39f.Ferdinand Frh. Andrian- Werburg: Jahresbericht des Präsidenten. In: MAGW 22( 1892), S.[ 17]-[ 30], hierS.[ 27]( Hervorhebung im Original gesperrt).

14 Vgl. z. B. die Arbeiten Rudolf Meringers zum bosnischen oder kroatischen Haus oder die umfassende dreitei-lige Abhandlung von M[ atthias] Murko: Zur Geschichte des volkstümlichen Hauses bei den Südslawen. In:MAGW 35( 1905), S. 308-330 u. 36( 1906), S. 12-40, 93–129.

15 Das zeigt sich z. B. bei Raimund Friedrich Kaindl deutlich, der von Czernowitz aus seine Internationalitätund wissenschaftliche Stringenz zunehmend nationalistischen politischen Zielen opferte. Vgl. dazu HelmutEberhart: Die Volkskunde nährt durchaus keinen Gegensatz gegen andere Völker, sie ist vielmehr im besten

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