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sen heißt bei uns in der Mundart offen lassen." Sie denkt heute, dass den politisch Verant-wortlichen diese Taktik ,, schlussendlich auf den Kopf gefallen" sei.„ Ich glaube, das hat eini-ge Leute so wütend gemacht, dass sie gesagt haben:, Nein'."
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Wenige Tage vor der Volksabstimmung war an jeden Haushalt jene Broschüre ergangen, 4die wie gesetzlich vorgeschrieben über den Ablauf der Abstimmung informierte und die ge-sammelten Argumente der BefürworterInnen und GegnerInnen der Schließung des Entbin-dungsheims enthielt. Ähnlich den Konfliktparteien bei der Einrichtung der Institution in den1920er Jahren wies die Argumentation pro und kontra ihrer Weiterführung sechzig Jahrespäter Parallelen auf – plausible wie auch überraschende. Beide Gruppen arbeiteten mit denKosten des Entbindungsheims, mit dem Thema Spitalsgeburt versus ,, natürlichem Geburtser-lebnis“ beziehungsweise mit dem Motiv Risiko/ Sicherheit und beide Parteien bemühen„, denechten Lustenauer".
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Für die Schließung des Entbindungsheims wurde mit einer Kostenexplosion bei geringerAuslastung argumentiert; das Land habe seine Beiträge den Verpflegstagen entsprechendgekürzt, zudem drohe die Gebietskrankenkasse mit dem Streichen des Hebammenentgelts.Die anstehende Modernisierung der Einrichtung würde- ohne dann zusätzlich notwendigesFachpersonal 1,4 Millionen Schilling kosten. Die Spitäler im Umkreis hätten zeitgemäßgeführte, bestausgestattete und sichere Geburtenstationen; in Lustenau resultiere„ das natürli-che Geburtserlebnis in familiärer Atmosphäre" allein aus der geringen Auslastung. Den heik-len Punkt des dräuenden Aussterbens ,, der echten Lustenauer" betreffend, versuchten dieGegner des Entbindungsheims sich aus der Verantwortung zu ziehen und zugleich mit einergewissen Weltoffenheit zu punkten:
,, Weil sich nach den Ergebnissen von 1985 nur noch ein Drittel der in Lustenau wohn-haften Neugeborenen als echte Lustenauer bezeichnen können. Die restlichen zweiDrittel sind sicher keine anderen' Lustenauer, denn der Geburtsort spielt im Alltagsle-ben keine Rolle."
Die BefürworterInnen des Entbindungsheims äußerten sich diesbezüglich klarer und eini-germaßen chauvinistisch:„ Sollen die Lustenauer künftig in Dornbirn, Bregenz oder Ho-henems zur Welt kommen?"[...]„ Soll es in Zukunft keine, echten Lustenauer mehr ge-ben?" 51 Die Kosten der Modernisierung von Entbindungs- und Wöchnerinnenstation setztensie deutlich niedriger an und betonten, dass das Haus in jedem Fall saniert werden müsse.Überdies entstünden der Gemeinde nach einer Schließung Mehrkosten durch die auswärtigeVersorgung von Lustenauerinnen und ihren Neugeborenen. Eine Modernisierung und bessereKooperation mit den Ärzten der Gemeinde würde wieder zu einer guten Auslastung führen.Die Sicherheit und Risikolosigkeit von Geburten in kleinen Einrichtungen sei erwiesen, war-
48 Interview Salzinger, 3.4.2012, min 6f.
49 Dieter Alge: Information zur Volksabstimmung am Sonntag, 9. März 1986; HAL, Ordner Volksabstimmung9.3.1986 Entbindungsheim.
50 Die Wöchnerinnen wurden wieder getrennt nach„ Einheimischen" und in Lustenau ansässigen„, Gastarbeite-rinnen" ausgewiesen, obwohl dies die Daten nicht wesentlich beeinflusste. Betont wurde die Belastung derGemeinde durch auswärtige Wöchnerinnen.51 Ähnlich auch in LeserInnenbriefen in einer Gemeinde, in der Selbständigkeit und Eigeninitiative in derBevölkerung einen so hohen Stellenwert hätten, dürfe das Entbindungsheim- renoviert und modern geführt-nicht fehlen. ,, Es wäre schwer sich vorzustellen, daß die große 1100- Jahr- Feier, der wir mit Freude entgegenbli-cken, das Ende der ‚ echten Lustenauer sein soll." M[ argarethe] Salzinger: 1100 Jahre Lustenau. Leserbrief. In:VN, 7.2.1986.