konstatiert,„, der Einfluß der Ärzte auf die schwangeren Frauen nahm zu“, vermehrt wurdenRisikoschwangerschaften diagnostiziert und Schwangere in die Krankenhäuser überwiesen. 33Wenngleich der laufende Betrieb des Entbindungsheims nicht krisenfrei vonstattengegangenwar, in der Gemeinde hatte die Einrichtung ihren festen Platz. Als auch ProponentInnen derGemeindepolitik begannen, das Entbindungsheim Lustenau in Frage zu stellen, setzte einlangwieriger aber endlich effektiver Prozess der Demontage ein. Dieser Prozess gründetezum einen in der konkreten lokalen Situation und hatte da in erster Linie mit den Möglichkei-ten und Grenzen der Gemeindekassa zu tun; zum anderen fand er vor einem Set an gesell-schaftlichen Entwicklungen statt, die sich eben auch lokal auswirkten.
Die Demontage
In den ländlichen Regionen Österreichs waren bis Mitte der 1950er Jahre Hausgeburten dieRegel; an vielen Orten bestanden kleine Geburts- und Wöchnerinnenstationen Entbin-dungsheime. In Vorarlberg gab es um 1970 noch 14 solcher Einrichtungen.34 Sie waren ausder Praxis entstanden, dass Hebammen in Not geratenen Frauen anboten, in ihrem Haus zugebären und die ersten Tage des Wochenbetts zu verbringen und wurden, wenn sie nicht wiein Lustenau an ein Altenheim angeschlossen waren, oft als Einfrau- oder Familienbetriebegeführt. ,, In früheren Jahren wiesen Entbindungsheime zum Teil stark überaltete Strukturenauf, ihre Betreiberinnen waren den neuen Erkenntnissen der Geburtshilfe gegenüber oft we-nig aufgeschlossen“. 35 Was die Journalistin Dorit Zimmermann mit Bezugnahme aufDeutschland sagt, traf spätestens Ende der 1970er Jahre wohl auch für das EntbindungsheimLustenau zu. 1979 hatte die Auslastung der alten und schlecht ausgestatteten Einrichtung mit144 Geburten einen Tiefpunkt erreicht. 36
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33 Edith Ritter: Ein traditionsreiches Geburtshaus Das Entbindungsheim Lustenau. In: Österreichische Heb-ammenzeitung 2, 1997, S. 10f, hier S. 10. Die Literatur zur Medikalisierung, Hospitalisierung und Technisie-rung von Geburt im Lauf der Geschichte ist breithier nur z. B. aus der Perspektive kritischer Statistik:Marjorie Tew: Sichere Geburt? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Geburtshilfe. Ausdem Engl. von Clarissa Schwarz u. Katja Stahl. Frankfurt a. M. 1997( Orig. London 1990). Vielfach wird auchaus einer persönlichen Betroffenheit heraus recherchiert und geforscht, was in z. T. wenig differenzierten Publi-kationen mündet; vgl. Marianne Grabrucker: Vom Abenteuer der Geburt. Die letzten Landhebammen erzählen.Frankfurt a. M. 1991( Orig. 1989), hier das Nachwort der Herausgeberin, S. 187-243; Daniela Zech: Die aktuel-le Geburtssituation in Vorarlberg. Ein Beitrag zur prä- und perinatalen Psychologie. Innsbruck, Dipl.Arbeit2009; Carmen Hubmann: Die Vorarlberger Geburtshilfe- Status Quo und die daraus resultierende Zufrieden-heit der betroffenen Frauen. Eine Erhebung der derzeitigen geburtshilflichen Situation in Vorarlberg im Auftragdes Österreichischen Hebammen- Gremiums der Landesgeschäftsstelle Vorarlberg in Kooperation mit der Bera-tungseinrichtung schwanger.li. Dornbirn( FH Diplomarb.) 2010; überaus polemisch auch: Rockenschaub 2005( wie Anm. 9).
34 Das erste Vorarlberger Haus wurde 1971 geschlossen, das letzte in Lustenau 2000/2001; Zech 2009( wieAnm. 33), S. 14f. Derzeit gibt es in Österreich zwei Entbindungsheime( Kuchl, Salzburg und Feldkirchen,Kärnten).
35 Dorit Zimmermann: Geburtshäuser. Ganzheitliche Geburt als Alternative. München 1998, S. 40f.
36 Margarethe Salzinger: Geschichtlicher Rückblick. In: Broschüre Freundeskreis Entbindungsheim Lustenau( Entwurf). Lustenau 1995, S. 3-18, hier S. 5.
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