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Ich kann das zitieren, weil wir damals, nach dem Alphabet gereiht, die gleiche Urkunde er-hielten. Und so wie wir damals bei der Promotion im großen Festsaal der Universität WienSeite an Seite standen, stehen heute unsere Dissertationen in der Bibliothek nebeneinander,seine mit der Signatur D 38, meine mit D 39. Seine umfasst 2 Bände, meine nur einen.Auch als wissenschaftliche Hilfskräfte saßen wir einander anfänglich gegenüber. Das Institutwar 1961 neu begründet und 1964/65 in der Hanuschgasse angesiedelt worden. Ich war imSS 1966 zum Team gestoßen, wechselte nach Abschluss meines Studiums in die Arbeitsstel-le des Österreichischen Volkskundeatlas und 1975 in die Laudongasse, er verblieb( mit einerkurzen Unterbrechung) an seinem Schreibtisch im Institut und kletterte hier die akademischeLeiter hoch. 1986 habilitierte er sich- wie bereits erwähnt- für Europäische Volkskunde mitdem umfangreichen Werk„ Arbeit- Haus- Gerät im Burgenland. Beiträge zur pannonischenKultur".
Von 1970 bis 2003 lehrte und forschte er am Institut für Volkskunde( seit 2000: Institut fürEuropäische Ethnologie der Universität Wien), zuletzt als außerordentlicher Universitätspro-fessor. Er was stellvertretender Institutsvorstand und stellvertretender Vorsitzender der Stu-dienkommission. Er nahm während dieser Zeit drei Professurvertretungen an den Universitä-ten Regensburg, Bamberg und Bayreuth wahr.
Sein Engagement und sein Organisationstalent brachten es mit sich, dass er lange Jahre stell-vertretender Vorsitzender des Österreichischen Fachverbandes war, wovon die zahlreichenTagungsbände, die ich hier nicht alle aufzählen kann, ein beredtes Zeugnis liefern. Er zog dieFäden in der Arbeitsgemeinschaft für Volkskunde am Institut. Bis heute ist er im Ausschussdes Vereins für Volkskunde tätig und er ist Beirat im Innsbrucker Institut für Volkskultur undKulturentwicklung.
In der Volkskunde fand er seine Lebenspartnerin, Elisabeth, die ihm 1968 die Tochter Petragebar und so das Glück vollkommen machte. Alle drei akademisch ausgezeichnet, 30 bildetensie für lange Zeit nicht nur eine Lebens-, sondern auch eine Forschungsgemeinschaft, die,, POEMuseums-, Kultur- und Wissenschaftskonzeptionen“, bei der sich alles um die Volks-kunde drehte. Aus dieser Symbiose bezog Olaf Bockhorn das Ethos und die Inspiration fürseinen unermüdlichen Arbeitseifer, aber auch die nötige Gelassenheit, die sich im genussvol-len Innehalten im Freundeskreis bei einem Glas Wein und seiner obligaten Zigarillo äußert.Regional verortet sind die Bockhorns in Osttirol. In Welzelach, einer Fraktion von Virgen,errichtete sich die Familie ein Tusculum, von dem aus sie ihre Berg- und Trekkingtourenunternahm.31
Dem Mühlviertel blieben sie mit der Mitarbeit an der oö. Landesausstellung„ Bauern- UnserLeben- Unsere Zukunft" treu. Es folgte die Konzeption und Realisierung der Ausstellung„ Kultur – Gut – Oberes Mühlviertel. Sammlung Lehner“ im Stiftsmeierhof Aigen- Schlägl,
30 Elisabeth Bockhorn: Tür und Tor: Beispiele zur Handwerkskunst im oberösterreichischen Mühlviertel. Wien1979, Dipl.- Arb.
Elisabeth Bockhorn: ,, Man hat soviel wenig vom Leben gehabt, so wenig“: vom Leben einer Bergbäuerin. Einvolkskundlicher Beitrag zur biographischen Methode. Wien 1994, Diss., 2 Bde.
Petra Bockhorn: Wien ist keine Stadt wie jede andere. Zum aktuellen Wien- Bild in deutschsprachigen Reisefüh-rern. Wien 1997(= Beiträge zur Volkskunde und Kulturanalyse/ Neue Folge- Bd. 1).
31 Dankbar denke ich an unsere gemeinsame Großvenedigerbesteigung 2007, völlig fassungslos aber daran, dassElisabeth, die bei der akademischen Feier für Olaf 2012 noch in unserer Mitte weilte, heuer unvermittelt grau-sam der Familie entrissen wurde.