Unter der Anleitung von Helmut Fielhauer, an den hier speziell gedacht sei, emanzipiertenwir, die damals ernsthaft Volkskunde Studierenden, uns von unseren Lehrern. Durch HelmutFielhauer fanden wir Anschluss an die Tübinger Volkskunde. Durch seine Volkskunde alsdemokratische Kulturgeschichtsschreibung öffnete sich der Weg zur Arbeiter- und Industrie-gesellschaft. Zu einer Kultur von unten, zu einem neuen Kulturverständnis
zur Alltagskul-tur. Sein früher Tod hat uns deshalb besonders schmerzhaft getroffen. Der maßgeblich vonOlaf Bockhorn initiierte„ Helmut P. Fielhauer- Freundeskreis", machte es sich zur Aufgabe,die wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten Fielhauers in der eigens dafür geschaffenen Pub-likationsreihe ,, Beiträge zur Volkskunde und Kulturanalyse" zu veröffentlichen.2
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Lassen Sie mich an diesem Wendepunkt in der wissenschaftlichen Ausrichtung unseres Insti-tutes, das in der Zwischenzeit auch den Zusatz ,, Ethnologia Europaea“ bekommen hatte, kurzinne halten, um einige biographische Daten unseres Jubilars zu vermitteln:
Olaf Bockhorn wurde am 19. Februar 1942 in Wien geboren, Sein Vater, Studienrat Dr.Werner Bockhorn war 4 Tage vor seiner Geburt im Krieg gefallen. Die früheste Kindheitverbrachte er, wie er in seinem Curriculum²⁹ schreibt, in Wien, Niederösterreich und – wohlkriegsbedingt- in Osttirol. Besuch der Pflichtschule und des Bundesrealgymnasiums in Linz,wo er 1960 maturierte. Anschließend begann er- auch hier folge ich dem Curriculum- ander Universität das Studium der Medizin, wechselte nach zwei Semestern an die philosophi-sche Fakultät mit dem Vorhaben, die Lehramtsprüfung in Deutsch und Englisch abzulegen.Zusätzlich hörte er Theaterwissenschaft und Philosophie.
Den Weg zum Studium der Volkskunde hatte ihm Richard Wolfram schmackhaft gemacht.Er schreibt: ,, 1964 durch eine Vorlesung für Lehramtkandidaten auf das Fach Volkskundeaufmerksam geworden, fand ich in ihm( nämlich der Volkskunde, e. A.) bald eine Vereini-gung all meiner Interessen und fasste den Entschluss, mich ganz diesem Studium zu wid-men." Die Volkskunde sollte fortan und bis heute seinen Lebensinhalt bestimmen.
Mit der Ernennung zur wissenschaftlichen Hilfskraft am Institut begann seine akademischeKarriere. 1971 erfolgte die Promotion durch Nos universitatis litterarum Vindobonensis h.t.rector Richardus Biebl, philosophiae doctor, anatomiae et physiologiae plantarum professorordinarius, academiae scientiarum Austriacae socius; Herbertus Hunger, philosophiae doc-tor, byzantinologiae professor ordinarius, academiae scientiarum Austriacae socius, ordinisphilosophorum h.t. decanus; Richardus Wolfram. philosophiae doctor, ethnologiae verna-culae professor ordinarius, die Promotion zum doctoris philosophiae nomen et honores iuraet privilegia contulimus in eusque rei fidem hasce litteras universitatis sigillo sanciendascuravimus. Vindobonae, die XII. nensis Iulii MCMLXXI. Zur Ausfertigung der Promotions-urkunde war noch eine 30 Schilling Stempelmarke notwendig.
28 Helmut P. Fielhauer, Olaf Bockhorn: Volkskunde als demokratische Kulturgeschichtsschreibung. Ausgewähl-te Aufsätze aus zwei Jahrzehnten. Wien 1987(= Beiträge zur Volkskunde und Kulturanalyse, Bd. 1).Helmut P. Fielhauer: Von der Heimatkunde zur Alltagsforschung. Beiträge zur Währinger Kulturgeschichte.Eingeleitet u. hg. von Herbert Nikitsch, Wien 1988(= Beiträge zur Volkskunde und Kulturanalyse, Bd. 2).Helmut P. Fielhauer, Olaf Bockhorn( Hg.):„ Auf der Suche nach der verlorenen Kultur. Arbeiterkultur zwischenMuseum und Realität“ Beiträge der 4. Arbeitstagung der Kommission„ Arbeiterkultur" in der DGV in Steyrvom 30.4.- 2.5.1987" Gedenkschrift für Helmut P. Fielhauer. Hg. von O. Bockhorn, Helmut Eberhart, Wolfdiet-er Zupfer, Wien 1989.(= Beiträge zur Volkskunde und Kulturanalyse, Bd. 3 im Auftrag des Helmut- P. Fielhau-er- Freundeskreises).
29 Curriculum in der Dissertation von Olaf Bockhorn.
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