leicht urkundlich faßbaren Volksgüter außerhalb des Bereiches desHaus- und Siedlungswesens ist die gleiche historische Vertiefungwohl vielfach angestrebt, ohne aber schon immer erreicht zuwerden. Das bedeutendste Beispiel, in dem eine möglichst hoch-gradige Verbindung zwischen flächenhafter Erfassung der Gegen-wart und Halbvergangenheit mit sämtlichen Perioden der Ge-schichte angestrebt wurde, bietet das„ Steirische Trachtenbuch",das Viktor Geramb auf Grund seiner mit Konrad Mautnergemeinsam durchgeführten Vorarbeiten nach dessen Tod von1932 an erscheinen ließ 15). Hatten sich Mautners Sammlungen imwesentlichen auf die beiden letzten Jahrhunderte beschränkt, soversuchte Geramb von der österreichischen Vor- und Früh-geschichte her verbindende Fäden aufzuspüren und konnte dem-gemäß auch die Trachtengeschichte in einem bisher ungekanntenMaß erweitern. Die Zuhilfenahme der ausgezeichnet ausgebautenösterreichischen Archäologie 16) wie der nicht immer so ganz voll-kommen erschlossenen Literatur- und Kunstgeschichte des öster-reichischen Mittelalters hat das ,, Steirische Trachtenbuch"bei weitem fruchtbarsten Monographie des ganzen Bereiches inder Gegenwart werden lassen.
zu der
Aus der Schule Gerambs sind auch in dieser Periode ver-schiedene Arbeiten hervorgegangen, welche deutlich die histori-sche und sachliche Unvoreingenommenheit zeigen. Dazu gehörtbesonders das Wirken Oskar Mosers in Kärnten, der miteiner in Österreich sonst noch nicht geübten diffizilen Untersu-chungsmethode der Geschichte und Geltung des volkstümlichenMöbels in Kärnten nachgeht 17). Sein vielseitiger, sachlicher undsehr fruchtbarer Vorgänger war Oswin Moro, dessen gedie-gene Sammlungen und Beobachtungen Geramb eingehend gewür-digt hat 17a). Ähnlich genau wie Mosers Arbeiten scheinen sich dieForschungen Hanns Korens über die volkstümlichen Arbeits-geräte in Steiermark zu gestalten 18). Obgleich dieses Gebiet inÖsterreich nicht die gleiche Forschungstradition wie beispielsweisein der Schweizer Romanistik aufweist, ist der Fortschritt über dienationalen Zuweisungsversuche, die einstmals Karl Rhamm an-stellte, doch schon ersichtlich. Während aber diese Angehörigender Grazer Schule das bäuerliche Element stark in den Vorder-grund stellen, wird von der Wiener Seite allmählich das Gewichtauf die Beobachtung der kulturellen Gesamthaltung ohne Rück-sicht auf den Traditionalismus gerade des Bauerntums verlagert.So habe ich versucht, die Schmuckforschung, die sämtliche Volks-schichten sozialer und geistiger Art sehr gleichmäßig erfassenkönnte, in Angriff zu nehmen, und durch eine monographischeBehandlung eines der kleinsten Glieder der ganzen Schmuck-tradition, des Männerohrringes, dafür ein Beispiel aufzustellen 19).
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