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Geschichte der österreichischen Volkskunde
Entstehung
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Während die Forschung um Rudolf Much fast gänzlich aufakademische Kreise beschränkt blieb und nur durch RichardWolfram eine gewisse Ausweitung auf die Jugendbewe-gung erfuhr, die sich mit dem Volkstanz beschäftigte, hängt dieandere Wiener Schule, die als volkskundlich bedeutsam anzusehenist, sehr eng mit der Entwicklung der Jugendbewegung, besondersdes ,, Wandervogels" und der ihm verwandten Bünde der Zeitnach dem ersten Weltkrieg zusammen. Hier war schon in der Vor-kriegszeit der Boden für eine künftige reichere Beschäftigung mitder Volkskultur gelegt worden 14). Die Wandervogel- Bewegunghatte in ihrem Suchen nach echten Werten auf das Volkstümlichegegriffen, und wie im Deutschen Reich die Singbewegung mit dem„ Zupfgeigenhansl" auf das ältere deutsche Lied zurückgriff, sofaßte der Österreichische Wandervogel das alpenländische Volks-lied als ihm gemäßes Singgut auf. Rudolf Preiß gestaltetedeshalb 1913 die ausgezeichnete Sammlung„ Unsere Lieder" undschuf mit dem Volkstanzforscher Raimund Zoder zusammendie gleichgestimmte Volksmusiksammlung ,, Bauernmusi", 1923 14a).Persönlichkeiten der Forschung wie der Liedpflege arbeiteten imWandervogel wie im Deutschen Volksgesangverein zusammen,woraus sich wertvolle Anregungen ergaben. Die Arbeiten vonKarl M. Klier 14b) u. a. zeugen dafür. Neben dieser stark alpen-ländisch eingestellten Richtung ergab sich in der Jugendbewegungaber auch bald die Grundlage für eine sozusagen kulturphilo-sophisch eingestellte, von einem erschlossenen Indogermaneu-und Germanentum aus wertende Betrachtungsweise, die zunächstals ,, Mythologie", späterhin auch als Zweig der Volkskunde

auftrat.

Diese Wiener mythologische Schule steht in ihrenAnfängen wie die dilettantischen Bestrebungen der Zeit unter demEinfluß Richard Wagners. Allerdings erhielt sie ihrenHauptanstoß von einem bedeutenden Kenner der religions-geschichtlichen Probleme des Indogermanentums, nämlich von demDeutschbalten Leopold von Schröder, dem Indologen derWiener Universität 14c). Seine Beschäftigung mit Wagner steht iminnigsten Zusammenhang mit seinen Studien über„, Mysterium undMimus im Rigveda", 1908, und auch seine Arbeiten über die Grals-sage sind von hier aus zu verstehen. Seine Gesamtauffassung der..Arischen Religion" faßte er in dem zweibändigen gleichnamigenWerk 1916 zusammen, das für die weitere Arbeit der WienerMythologenschule von grundlegender Bedeutung wurde, weil esmit der bisherigen Göttervorstellung gebrochen hatte und dieMöglichkeiten des Wechselns von Namen bei Gleichbleiben derGestalten in verschiedenen Schichten der Überlieferung darlegte.Die Vergleichsmöglichkeit des indischen Stoffes mit dem lettischen

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