zum raschen Wachstum des Ansehens Haberlandts und seinerWiener Unternehmungen viel beitrug.
In den Jahren der Gründungen Haberlandts erfolgte jedochauch die Anteilnahme an volkskundlichen Stoffen von eineranderen, bisher noch uneingeschlagenen Richtung, und zwarwieder zunächst im Rahmen der Wiener Anthropologischen Ge-sellschaft. Es ist dies die Ausgestaltung der Sachindoger-manistik durch Rudolf Meringer. Die kulturgeschichtlicheingestellte Germanistik im Sinne eines Moritz Heyne hattein Österreich nicht viel Widerhall gefunden; nur die ArbeitenIgnaz Vinzenz und Oswald von Zingerles beschäf-tigten sich mit ihrem Umkreis. Die neue Indogermanistik jedochgelangte über die Wortgeschichte zum Begriff der„ Wörter undSachen", der untrennbaren Verbundenheit des Gegenstandes oderder Handlung mit der Bezeichnung, und daher in die Nähe derSachvolkskunde. Meringer wandte sich von diesem Gesichtspunktaus der Bauernhausforschung zu, besonders der Kulturgeschichteseiner Inneneinrichtung, und hat hier, in einem bedeutsamengeistigen Gegensatz zu der ästhetisch begründeten AnschauungHaberlandts, das geschichtliche Werden der Formen erarbeitet,wie es heute noch maßgebend erachtet werden muß. Seine ,, Stu-dien zur germanischen Volkskunde", vorwiegend dem ober-deutschen Haus und seinem Wohngerät gewidmet, bedeuten dieGrundlage der neueren Sachvolkskunde 43). Seine Beziehungenzur Slawistik ließen dort ähnliche Bestrebungen erwachsen,von denen besonders die Arbeiten von Matthias Murko zuerwähnen sind. Die publizistische Frucht dieser ganzen Richtung,die großangelegte Zeitschrift„ Wörter und Sachen", begann erst1909 zu erscheinen.
In diesem Zusammenhang muß kurz der verschiedenen Ver-öffentlichungen gedacht werden, welche das volkskundlicheSammel- und Beschreibungswesen der Zeit charakterisieren.Michael Haberlandt selbst publizierte die Ergebnisse seinermusealen Sammlungen in dem umfangreichen Abbildungswerk,, Österreichische Volkskunst", 1910-1914, und ergänzte es unterMitarbeit von jüngeren Forschern in der auf drei Bände be-schränkt gebliebenen Zeitschrift ,, Werke der Volkskunst" 1912 bis1917. Die Aufzeichnungsarbeiten über Bauernhaus- und Sied-lungswesen, die von der Anthropologischen Gesellschaft weiterhingefördert worden waren, trug vor allem Anton Dachler, der mitHaberlandt zusammen das vom Österreichischen Ingenieur- undArchitekten- Verein herausgegebene Werk„ Das Bauernhaus inÖsterreich- Ungarn und in seinen Grenzgebieten", 1906, bearbei-tete. Die Zeichnungen und Risse dieses Werkes bilden die Grund-lage der gesamten österreichischen Hausforschung. Vom Einzel-
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