ser beiden Volksschilderer, geistig weitgehend auf dem Liberalis-mus beruhend, hat in der weiteren Öffentlichkeit der raschlebigenGründerzeit ein Organ für die Werte des Bauerntums und fürdie Eigenart der volkstümlichen Überlieferung am Leben erhal-ten, das anderwärts zur gleichen Zeit der völligen Verkümmerunganheimgegeben war.
Ähnliches gilt auch für die Hauptvertreter der zeitgenössi-schen bildenden Kunst. Ohne Zweifel hat der Tiroler Franz vonDefregger für die große Allgemeinheit das Alpenvolk male-risch wiederentdeckt, die gesamte Sittenbildmalerei des nächstenVierteljahrhunderts ist ohne die Landsturm- und Letzte Aufgebot-Bilder Defreggers nicht denkbar 27). Gute Schilderer, wie etwaEduard Kurzbauer, behaupten aber neben ihm einen be-deutenden Rang 29) Die Wiener Malerei der Zeit ähnelt sehr derWiener Feuilletonistik. Besonders die Zeichnungen und Schatten-risse Hans Schliessmanns lassen sich an die Schilderun-gen Schlögls geistig wie stofflich eng anschließen. Außer mehroder weniger bedeutenden Illustratoren beschäftigten sich ab undzu auch eigentliche Maler mit Wiener Themen, beispielsweiseFerdinand Laufberger in seiner figurenreichen„ Szeneaus dem Wiener Prater" 29). Aus dem Biedermeier reicht derLinzer Johann Baptist Reiter mit seinen guten Trachten-und Genrebildern noch herüber 30), und wie eine Neuaufnahmebiedermeierlicher Züge mutet in mancher Hinsicht Alois Greil,gleichfalls ein Linzer, an, der als der beste schildernde Darstellerdes ober- und niederösterreichischen Volkslebens seiner Zeit gel-ten kann 31). Dieser„ Linzer Spitzweg" war infolge seines auẞer-gewöhnlichen Genre- Sinnes auch einer der berufensten Illustra-toren des großen Werkes, das sich nunmehr von so vielen Seitenher schon angebahnt zeigt.
Dieses Werk ist die durch den Kronprinzen ErzherzogRudolf angeregte und eingeleitete Gesamtdarstellung„ DieÖsterreichisch- Ungarische Monarchie in Wortund Bild". Der nominelle Veranstalter, Kronprinz Rudolf, warallerdings zu vielseitig interessiert, um auf die Gestaltung desWerkes etwa jenen Einfluß ausüben zu können, den zwei Men-schenalter früher Erzherzog Johann auf die steirischen topographi-schen Arbeiten genommen hatte; außerdem fällt sein Tod mittenin die Vollendungszeit des vielbändigen Werkes. Immerhin ver-stand er die Bestrebungen sehr wohl, wie er ja auch einen be-tonten Hang zur wienerischen Volkskunst seiner Tage besaß 32).Einen wesentlichen Fortschritt gegenüber dem Serienwerk ,, DieVölker Österreich- Ungarns" bedeutet die Tatsache, daß hier erst-malig der aus dem Erzherzog- Johann- Kreis überkommene Aus-druck ,, Volkskunde" offiziell für jene Teile der Landesbeschrei-
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