Print 
Geschichte der österreichischen Volkskunde
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

kann in der steirischen Volksschauspielforschung einen ähnlichenRang behaupten.

Ohne ähnliche germanistische Schulung, aber mit gleichemsammlerischem Erfolg beschäftigte sich der Chorherr von SanktFlorian Wilhelm Pailler zur gleichen Zeit mit Volksschau-spiel und Volkslied in Oberösterreich usw. und veröffentlichte1881 die ,, Weihnachtlieder und Krippenspiele aus Oberösterreichund Tirol" in zwei stattlichen Bänden. Für Salzburg und Tirolergänzte der Münchner Bibliothekar August Hartmanndiese Tätigkeit vorteilhaft durch sein gewaltiges Sammelwerk,, Volksschauspiele. In Bayern und Österreich- Ungarn gesammelt",1880. Für Niederösterreich konnte der Professor am Landes-Lehrerseminar in Wiener Neustadt August Hofer 1889 und1890 gesammelte Weihnachtsspiele und-lieder vorlegen; der be-deutende Nachlaẞ Hofers weist über dieses engere Sammelgebietweit hinaus 25a).

Auch die Sagensammlung nimmt in dieser Zeit wieder be-trächtlich zu, es entstehen zum Teil die auch heute noch als maẞ-geblich betrachteten Sammlungen. In Südtirol sammelt mit vielErfolg Alois Menghin, der 1884,, Aus dem deutschen Südtirol.Mythen, Sagen, Legenden usw." herausgibt. Die umfangreichsteund bei weitem beste Sammlung aus Tirol erscheint freilich erst1897, die ,, Volkssagen und Meinungen aus Tirol" des LehrersJohann Adolf Heyl, der nicht weniger als 1120 Aufzeich-nungen aufzuweisen hat. In Steiermark gibt Johann Krainz,der Gründer des wichtigen Ortsmuseums von Eisenerz, 1880 seineverdienstvoll gesammelten Mythen und Sagen aus dem steiri-schen Hochlande" heraus. Salzburg hatte schon 1860 seine,, Salzburger Volkssagen" von Rudolf Freiß auff erhalten,die auch in dieser Epoche nicht mehr überboten wurden.Die ,, Sagen Vorarlbergs" von Vonbun erfuhren gerade damalsihre Neuauflage durch Hermann Sander. Auf verwandteSammlungen im gleichen Zeitraum kann nur hingewiesen werden,etwa auf die wichtige Ausgabe ,, Märchen und Sagen aus Wälsch-tirol" durch den romanistisch geschulten LandesschulinspektorChristian Schneller, 1867, auf M. Gleirscher, Sagenaus Tirol, 1885, F. Linder, Aus dem Sagenkreis Osttyrols, 1894,Adolf F. Dörler, Sagen aus Innsbrucks Umgebung, 1896,Christian Hauser, Sagen aus dem Paznaun, 1894, usw. FürOberösterreich ist im gleichen Zeitraum K. A. Gloning, Oberöster-reichische Volkssagen, 1884, zu verzeichnen. 1892 folgt Willi-bald Leeb mit seinen, Sagen Niederösterreichs", die leiderein Torso geblieben sind; der Nachlaẞ Leebs dürfte reichesMaterial enthalten haben.

107