form um 1840 bis zum Ende der biedermeierlichen Sammel- undBeschreibungsperiode um 1880, entspricht der ersten Zeit derRegierung Franz Josephs I. auf ihrem Weg vom Abso-lutismus zum Konstitutionalismus. Der zweite Abschnitt,der ungefähr von der Gründung der Anthropologischen Gesell-schaft in Wien 1870 bis zur Entstehung der Volkskundemuseen zurechnen ist, gehört durchaus der Zeit der Sprachen- undNationalitätenkämpfe vom Tod Erzherzog Rudolfs biszur Jahrhundertwende an. Der dritte Abschnitt endlich, derden Ausbau der Volkskunde als Hochschulwissenschaft und dieerreichte museale Geltung bringt, fügt sich in den Rahmen derglänzenden Zeit vor dem ersten Weltkrieg und ihresVersinkens in diesem, von der Jahrhundertwende also bis zumUntergang der Österreichisch- Ungarischen Monarchie 1918 ³).
Der erste Abschnitt ist mit dem letzten der vorher-gehenden Biedermeierzeit aufs engste verklammert. Das Jahr 1848bedeutet wohl einen Einschnitt, doch sind die gleichen Erschei-nungen hüben und drüben von dieser Schwelle festzustellen. Dassammlerische und beschreibende Element des romantischangeregten Biedermeiers dauert, wenn auch in mitunterschon ganz verwandelten Formen, bis in den Beginn des letztenViertels des 19. Jahrhunderts an. Die Vorboten der liberalisti-schen Betrachtungsweise begegnen jedoch auch schon vor 1848.Für diese Übergangszeit ist die Gestalt des ExilösterreichersEduard Duller bezeichnend geworden. 4) Duller mußte alsnationalliberaler Journalist seiner Gesinnung wegen wie zahl-reiche politische Gesinnungsgenossen seinen Aufenthalt außerhalbÖsterreichs suchen. Bei ihm finden sich schon die meisten Züge,welche dieser und der späteren nationalistischen Bewegung eigensind: deutschnationale Einstellung im Gegensatz zum anationali-stischen österreichischen Staatsgebilde, die Forderung nach Ver-fassung im Sinne des Parlamentarismus der Paulskirche und dieAbneigung gegen die katholische Kirche, jedoch nicht nach derfreidenkerischen, sondern nach einer deutschkatholischen, staats-kirchlichen Richtung. Die volkskundlichen Anstöße hat Dullerzweifellos von der späten Romantik erhalten. Seine Dichtungenstehen zu den Balladen Johann Nepomuk Vogls in Beziehung.Die übrigen Züge entstammen der rein literarisch- politischenBewegung des jungen Deutschland die ja in mehrfacher Bezie-hung auch auf Österreich gewirkt hatte. Wie nahe die einzelnenRichtungen und ihre Vertreter nebeneinander standen, zeigt dieTatsache, daß den steirisch- tirolischen Band des großen Sammel-werkes der Spätromantik„ Das malerische und romantischeDeutschland" 1840 noch Johann Gabriel Seidl schreiben konnte,ganz aus dem Geist des Erzherzog- Johann- Kreises heraus, wo-
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