hang beschieden war. Als sinnfälliges Beispiel sei hier nur nochnebeneinandergestellt, was an Höchstleistungen auf die-sem Gebiet in den letzten vierziger Jahren neben all dem schonErwähnten geschaffen wurde. 1845 erschien Anton Ritter vonSpauns Sammlung der oberösterreichischen Volksweisen als dieErfüllung der gesamten biedermeierlich- romantischen Sammel-bestrebungen auf diesem Gebiet, nicht mehr bloße Sammlung,sondern von einer tiefen heimatlichen Sinngebung erfülltes Ergeb-nis. Im gleichen Jahre erschien aber auch das schriftstellerischeSammelwerk ,, Wien und die Wiener", das Adalbert Stifterals Spiegelbild des Volkslebens der volkstümlichen Weltstadtherausgab.109) Stifter selbst zeigt sich dabei als vollkommener Be-herrscher der volkskundlichen Schriftstellerei seiner Zeit. SeineBeiträge über das Leben im Prater, über die Karwoche in Wien,über die Wiener Landpartien usw. schließen die Reisenden- undSkizzenliteratur der ganzen Epoche gewissermaßen ab. Die Heran-ziehung von Mitarbeitern, wie Sylvester Wagner etwa, bedeutetnoch eine Steigerung durch die Anerkennung ihrer besonderenSachkenntnis. Mit den gehaltvollen Bildern zusammen ist dasWerk zur Grundlage der Wiener Stadtvolkskunde geworden. Esläßt sich aber in seiner ganzen Bedeutung erst erkennen, wennman seine weitgehende geistige Übereinstimmung mit der geradein diesen Jahren vollreif werdenden Genrekunst FerdinandGeorg Waldmüllers ins Auge faßt.110) Die Durchdringungvon Beobachtung und Einfühlung, dieser beiden Grundelementeder biedermeierlichen Erkenntnis des volkstümlichen Wesens,hat hier wie dort den höchsten Grad erreicht. Wie Stifters Skizzenerscheinen die Bilder Waldmüllers aus dieser Zeit als die eigent-lichen Ausführungen der Gedanken Grillparzers, vor allem derim ,, Armen Spielmann" niedergelegten. Die„ PerchtoldsdorferHochzeit, aber auch die„ Johannesandacht", die„ UnterbrocheneWallfahrt die„ Reisigsammlerinnen im Wienerwald“ und eineReihe anderer Bilder Waldmüllers sind auf diesem Gebiet das Er-gebnis der Epoche.
Dieses Ergebnis erscheint im wesentlichen als ein künstle-risches. Aus dem ganzen Werdegang der Heranziehung der volks-tümlichen Motive, aus der Verwurzelung der Einzelmenschen indem Volksleben ihrer Heimat, aus der Empfindung des Wertesdieser Heimat wieder für den einzelnen, in jedem Sinn, dem derKritik ebenso wie dem der Hingabe und der schöpferischen Bewäl-tigung, mußte sich diese Form der biedermeierlichen Volkskundeergeben. Mit ihrer Erfüllung, die sich genau mit dem zeitlichenEnde der Epoche deckt, konnte sie auch aufhören. Die Weiter-führung nicht ihrer Art, sondern ihrer Aufgaben war jenenNebenströmungen aufgegeben, die nunmehr in der wissenschaft-
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