In den gleichen geistigen Bereich gehört dann die Ausführungder großen romantischen Beschreibungswerke
selbst, welche als die Nutznießer der zentralistischen Topographiein ihrer Art das Biedermeier beenden. Die Bände des„, Malerischenund romantischen Deutschland", die hierher gehören, wurdenschon genannt. Ähnlich gedacht war das österreichische Unter-nehmen„ Das pittoreske Österreich oder Album der österreichi-schen Monarchie", das sein weitgestecktes Programm durch einemöglichst umfangreiche Heranziehung von Fachleuten auf litera-rischem und künstlerischem Gebiet zu erreichen trachtete, ohne inallen Stücken zu einem guten Ende zu gelangen. Kenner wieWeidmann und Schmidl lieferten selbstverständlich zuverläßlicheTexte, doch kann von neuen Erkenntnissen nicht die Rede sein.Da bedeuten die Farbbilder kolorierte Lithographien noch
eher einen Gewinn, auch in volkskundlicher Hinsicht, da beijedem Kreis auf die Beigabe von Trachtenbildern Gewicht gelegtwurde. Die dafür entstandenen Arbeiten von Thomas Ender,Rudolf von Alt usw. sind freilich die Ergebnisse des Werde-ganges der volkskundlichen Anteilnahme in der bildenden Kunst,die noch zu besprechen sein wird.
Auf literarischem Gebiet bleibt noch der verhältnismäßigschmale letzte Teil der romantischen Beeinflussung, den man alsdie romantisch- germanistische Volkskundemythologischer Prägung bezeichnen könnte. Der Haupt-ast der Frühgermanistik war auch in Österreich literarhistorisch.Das Ansehen der großen Textsammler Docen, von der Hagen undBüsching wurde jedoch sehr bald durch den wachsenden Einflußdes methodischen Genies der Germanistik, Jakob Grimm,überstrahlt. Nicht seine textkritische und grammatikalische For-schung, sondern gerade seine volkskundlich- mythologische begannrasch in die Breite zu wirken. Einen eigentümlichen Außenseiterstellt hier Anton Tkany dar, der noch vor Jakob Grimm eine,, Mythologie der alten Teutschen und Slawen usw." 1827 in Znaimerscheinen ließẞ. Sie scheint trotz der Einbeziehung österreichischerSagen, wie der Spinnerin am Kreuz, wirkungslos geblieben zusein. Unter den Eindrücken der Sammelaufrufe der Brüder Grimmund ihrer Schüler stehen diejenigen Sagen- und Brauchsammler,auf denen die Arbeit der ganzen zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts fuẞen soll. Sie selbst sind durchwegs keine überragendenoriginellen Geister. An Sammeleifer können sie sich dagegenmeist mit den Romantikern der Frühzeit messen. Das bezeich-nendste Beispiel dafür ist wohl Franz Joseph Vonbun, deretwa von 1840 an Sagen seiner Heimat sammelte. 1847 erschienenseine ,, Volkssagen aus Vorarlberg". Er stand in direkten persön-lichen Beziehungen zu Grimm und Wolf, Simrock und From-
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