Hauben sind von brochirtem Seidenzeug, und es wird dafür ge-sorgt, daß rückwärts gerade eine große Rose zu stehen kömmt.Über diese wird noch ein grauer oder weißer Hut mit großenKrämpen gesetzet, welche zu beyden Seiten ein wenig abwärtsgedrücket sind. Oft ist er mit grünem oder granatbraunem Taftgefüttert und breit ausgeschlagen, öfters aber ist der Umschlagschwarz; ein ähnliches Seidenband wird innerhalb an beydenSeiten des Gupfes befestiget, und hängt in einer Rundung an dieBrust herab. Männer und Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber tragen, wenn sie weiter zugehen haben, Stöcke, nur sind jene der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber feiner und kürzer.Man sieht nur wenig wohlgewachsene Menschen, die meisten,weiblichen sowohl als männlichen Geschlechts, sind vorwärts ge-bückt und verschoben, und haben einen schweren unbehülflichenGang. Man giebt die großen Lasten von Früchten, Futter, Düngerund Erde, die gegen hohe Berge, wo das Zugvieh nicht brauchbarist, auf dem Kopfe hinantragen, für die Ursache dessen an. Auchsieht man in großer Anzahl die unförmlichen Kröpfe, welche dieSteyermärker mit den Kärnthnern, Salzburgern, Tirolern undSchweizern gemein haben." 9c) Da steht also genaueste Beschrei-bung noch neben dem typischen Gemeinplatz ⁹d); aber schon beiLeitner überwiegt erstere, und noch mehr bei seinen Nachfolgern.
Zur gleichen Zeit und in gleicher Gesinnung beginnen dieArbeiten des ersten von drei Wienern zu erscheinen, welcheden Kern der Forschungen in dieser Epoche überhaupt dar-stellen, nämlich die Joseph Rohrers.10) 1798 erschien alserstes Buch des späteren Professors der Statistik und Politik,1769-1828, die kleine Schrift„ Über die Tiroler". Dieser„ Bey-trag zur österreichischen Völkerkunde", wie er im Untertitelgenannt wird, ist als erste Hauptleistung der Volkskunde inÖsterreich aufzufassen. Aus persönlicher Anschauung erwachsen,sucht er bereits alle Sparten der heutigen Volkskunde, einschließ-lich einer gewissen anthropologischen Grundlage zu umfassen,indem er die körperliche Beschaffenheit der Tiroler an den Anfangstellt, und anschließend die Haupterwerbszweige und das gesamteVolksleben des Landes schildert. Das Eingehen auf landeseigen-tümliche Züge, wie die Gestalten der„ Robler", also der Raufer,auf die Haus- und Talindustrien wie auf die wandernden Händler,auf die Geschicklichkeit und den angeborenen Kunstsinn wird miteiner Heranziehung von namentlich bekannten Beispielen ver-bunden, wie es erst eine weitaus spätere biographisch eingestellteForschung wieder forderte. Da im einzelnen wie im ganzen aufdie Züge des Volkscharakters besonderer Bedacht genommenwird, so fehlt diesem Bild eines landschaftlich gebundenen Volks-schlages nichts mehr zur wissenschaftlichen Anerkennung. Rohrerist auch auf diesem Wege weiter fortgeschritten und hat mit seinen
56