sagen ist. Charakteristische Wiener Motive, wie Fiaker, Standel-weiber Glossar ::: zum Glossareintrag weiber, Neujahrstag, Fronleichnam, Hetztheater usw., wiederholensich seit seiner Darstellung in der Lokalliteratur immer wieder.Nicht zu übersehen ist dabei, daß Pezzl auch die Herkunft undZusammensetzung des Stadtvolkes berücksichtigt und auf Cha-rakter und Lebenshaltung Bedacht nimmt. Seine Nachfolger,welche etwa eine ,, Skitze von Grätz", 1792, oder, wie HeinrichGeorg Hoff, eine ,, Skizze von Linz", 1787, schrieben, brauchtennur jeweils den gegebenen Rahmen auszufüllen. Hoffs LinzerSkizze ist übrigens mit ihren zahlreichen polemischen Äußerungengegen die barocke Volksreligiosität quellenkundlich besonderswichtig. Halbkirchliche Bräuche, wie das mechanische Grün-donnerstagtheater, das Christi- Himmelfahrts- Spiel und der Umzugder Kinder mit dem Lamm am Tag Johannes des Täufers, werdenebenso dargestellt wie die Sitte der Sonnwendfeuer und das da-mit verbundene Mettrinken als Gesundheitsbrauch.58)
Neben Pezzl stehen nun die eigentlichen österreichischenJosephiner.59) Teils als Journalisten, teils aber als Staats-beamte fühlen sie sich als Mitkämpfer im AufklärungskampfKaiser Josephs II. und sind daher durchwegs nicht etwa alswissenschaftlich interessiert, sondern als taggebundene Polemikerzu werten. Nicht ihr Eigenwert, sondern ihre quellenmäßige Be-deutung für die Volkskunde ist jedoch hier wesentlich. Unddiese wird man manchen von ihnen doch in hohem Grade zu-erkennen müssen. Unter den Wiener Journalisten, die im Jahr-zehnt der Regierung Josephs II. zu Wort kamen, seit 1781 sogarzensurfrei, steht an erster Stelle Joseph Richter, 1749-1813.Sein journalistisches Hauptwerk, die„ Briefe eines Eipeldauersan seinen Herrn Vetter in Kakran über d'Wienstadt", zuerst1785-1797, dann 1799-1813 erschienen, geben Chronik und Kritikder Wiener Gesellschaft mit so viel Kenntnis des Tagesgeschehens,daß das Volksleben wie von selbst dabei mitbeobachtet wie mit-beurteilt werden mußte.60) Es fehlt daher auch kaum ein Motivder Wiener Sitte in Alltag und Festbrauch in diesen Schilderun-gen. Schon der kurzlebige Vorgänger der Eipeldauer- BriefeRichters, die von Johann Rautenstrauch 1784 heraus-gegebenen ,, Schwachheiten der Wiener" hatten viele Motive derSittenschilderung und Volkscharakteristik angeschlagen.6¹) Die inder Mundart abgefaßten Eipeldauer- Briefe umfassen so ziemlichalle derartigen Motive, meist in guter Schilderung und oft auchmit wirklichem Witz. Außer diesen fingierten Briefen lieferte aberRichter auch andere Flug- und Streitschriften, die volkskundlichvon Beachtung bleiben, so die Sittenschilderung„ Der gewöhn-liche Wiener mit Leib und Seele, Untersucht in einer Faschings-kinderlehre", 1784, und besonders die unter dem Decknamen
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