1795, und Joachim Christoph Fr. Schultz ,,, Reise einesLiefländers", 1795/97. Schultz hatte beispielsweise ein offenesAuge für die Tracht und beschrieb wie viele andere vor- und nach-her die ,, schöne Linzerin" und ihre Kleidung.51) Von besondererBedeutung ist die ,, Reise durch einige Theile vom mittäglichenDeutschland und dem Venetianischen" von J. H. G. Schlegel,Erfurt 1798, die umfangreiche Notizen zur Kärntner Volkskundebringt.52) Trachten wie die Strohmäntel, Spiele, wie das Kufen-stechen, Marterln, Wallfahrten, Volksgesang usw., sind Schlegelaufgefallen. Auch Karl Gottlob Küttner sah auf seiner,, Reise durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen undeinen Theil von Italien in den Jahren 1797, 1798, 1799", Leipzig1801, beträchtliche Züge des Volkslebens, wie Trachten, Haus-wesen, Heuharfen, Volksandachten, usw. Küttner hat übrigensseine Beeinflußung durch Benedikt Herrmanns Reisen dankbarangemerkt. 53) Der Frankfurter Klassizist Johann JakobGerning beschrieb dagegen seine„, Reise durch Oestreich undItalien", Frankfurt am Main 1802, die er 1797 durchgeführt hatte,nach den Anregungen der berühmtesten Reisenden seines Ge-sichtskreises, Herder und Goethe. Seine Beobachtungen geltenbesonders der Wiener Stadtvolkskunde. 54) Mit seinem Verständ-nis für die volkstümlichen Wallfahrten steht er freilich bereits amEnde der Aufklärung.
Seine österreichischen Vorläufer und Zeitgenossen besaßennämlich durchaus nicht ein derartiges Verständnis, sondern stan-den, wie sogar die Angehörigen des Salzburger Kreises zeigten,zu den volksreligiösen Erscheinungen in einer betonten Distanz-haltung. An Reisenden ist hier außer den Salzburgern nur Jo-hann Pezzl zu verzeichnen, der mit seiner ,, Reise durch denBaierschen Kreis", Salzburg 1784, noch Nicolai an Schärfe über-trifft. Immerhin war er ein guter Beobachter, der Wallfahrts- undLegendenwesen kennzeichnete, aber auch Tracht, Musik undVolksschauspiel, etwa die Laufener Schiffleute.55) Pezzl, der nie-derbayerische Journalist und spätere Wahlösterreicher( 1756 bis1823) hat aber bald mehr geleistet, als die Literatur der Reise-beschreibungen vermehrt. 56) Dieser Hauptwortführer des Jose-phinismus hat nämlich neben seiner philosophischen Schrift-stellerei eine neue Gattung der landes- und volkskundlichen Dar-stellung begründet, die feuilletonistisch stilisierte Form derStädtebeschreibung. Seine„ Skizze von Wien", 1786-1790, ist füreine größere Anzahl von Nachfolgern beispielgebend geworden.57)Pezzls Vielseitigkeit in der Beschreibung wurde freilich nur seltenerreicht. Seine Mitteilungen über ganze Themengruppen wieStände und Typen, Zeiten und Feste, Theater und Volksbelusti-gungen umschließen fast alles, was zum städtischen Volksleben zu
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