der verschiedensten Erzählungen von sagen- oder legendenhaftemCharakter bei Abraham durchaus auf der Grundlage der eigenenGläubigkeit, die er dem Gegenstand entgegenbringt. Von einemrationalistischem Abstand kann nicht die Rede sein, nicht einmalvon einer wohlwollenden Humanität, wie sie etwa der gleich-zeitige rheinische Jesuit Friedrich von Spee aufbrachte.22)Abraham bekundet sich vielmehr auf dem bedeutsamsten Gebietdes damaligen Volksglaubens, dem Hexenglauben, durchaus alsgläubig. Erzählungen von eigenen Erlebnissen auf diesem Ge-bieten, beispielsweise der Begegnung mit einem hexenhaftenalten Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib auf der Reise von Graz nach Wien, vermutlich 1682,23)bezeugen dies eindeutig. Diese durchwegs beweisbare Gläubig-keit Abrahams seinen Stoffen gegenüber entbindet aber in keinemFall der Pflicht zur Quellenkritik, wie besonders eigenartigeFälle, etwa die Legende vom Lieben Augustin, deutlich gezeigthaben.24)
Dem ungemein umfangreichen Werk Abrahams gegenübertreten seine gleichgestimmten Zeitgenossen weit zurück. Für dieGeltung des gleichen Prinzipes der Volkstümlichkeit, bei einerganz ähnlichen Kenntnis und Verwendung der Quellen, sind sieaber dennoch wesentlich. Der bedeutendste dürfte davon derTiroler Kapuziner Heribert von Salurn sein, mit seinembürgerlichen Namen Anton Mayr, 1637-1700.25) Seine Predigt-sammlungen„ Festivale" und ,, Dominicale" enthalten stattlicheMengen von Brauchschilderungen, Legenden, Redensarten usw.In seiner Unmittelbarkeit als Schilderer und Kenner praktischerLebensweisheit wirkt er mitunter lebensnäher als Abraham,freilich auch weniger künstlerisch und sprachbegabt.
Fast ganz unbekannt sind bisher die anderen zeitgenössischenPrediger, welche in verwandtem Sinn gewirkt haben. Zumindestdie beiden Steirer Amandus von Graz und JohannesAndreas Graff, gleichfalls ein Grazer, erscheinen bemer-kenswert. Amandus war Kapuziner, zweimal Provinzial seinesOrdens, und starb 1700 in Graz. Seine ,, Seelenwayde der christ-lichen Schaefflein" von 1695 und besonders sein vierbändiges,, Fasten- Banket der Christlichen Seelen", 1691-1713, enthältbeachtenswerten Stoff zur Volkslegende wie zur Redensart.26)Graff war Weltpriester, seine zahlreichen Werke erschienen von1697 bis 1710.27) Die Predigten seiner zahlreichen Sammlungenmit den kriegerischen Titeln„ Belagerung der herrlichen Haupt-Stadt zu Engelland mit sibenunddreyßig Canonen", 1697, oder,, Galleern in Engelland mit viervnddreisig Galleotten", 1695 usw.scheinen in vieler Hinsicht stark dem Beispiel Abrahams nach-gebildet, auch in der der sprachlichen und sachlichen Volkstüm-lichkeit.
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