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Geschichte der österreichischen Volkskunde
Entstehung
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heilungen des Mariazeller Wunderaltares aus den-selben Jahren wäre hier zu gedenken.³¹)

Dabei handelt es sich aber bereits um das Eindringen jenesvolkstümlichen Elementes, das im steigenden 16. Jahrhundert dieursprüngliche Abstandhaltung des Humanismus wieder auflöst,ja gleichzeitig zu dessen Folge und Gegengewicht wird. In derLiteratur bieten die volkstümlichen Dichter auf der Stufe desMeistergesanges und des späteren Schuldramas ein deutlichesBeispiel dafür. Volkskundlich wird manches davon wichtig,weniger der Betrachtungsweise, sondern wie in der bildendenKunst des Stoffes halber. Besonders Wolfgang Schmeltzlhat sich hier durch seinen Lobspruch der hochlöblichen weit-berümbten khünigklichen Stat Wien in Österreich" von 1548 einenPlatz verdient.32) Seine Schilderung gilt ja einer ganzen Anzahlvolkstümlicher Wahrzeichen und auch Eigenschaften. In anderenseiner Veröffentlichungen, besonders in seinem Liederbuch hat erZeugnisse zum Liedleben seiner Tage gesammelt; das Arbeitslied,, Ein Faẞziehen in Österreich" 33) bleibt das wertvollste Ergebnisdavon.

Das ausgehende 16. Jahrhundert kennt wie das späte Mittel-alter wieder beinahe keine Distanzhaltung. Hinneigung wiePolemik ergeben in der Literatur der Zeit die mannigfaltigstenFormen der Volkstümlichkeit. Das beste Beispiel ist dafür derOrganist des Wiener Schottenklosters Johann Rasch, dessen, Weinbuch" von 1582 mit der Aufzählung von Bauernregeln undLostagen, Hauergewohnheiten usw. eine Fundgrube der nieder-österreichischen Volkskunde darstellt. 34) Rasch gehört jener Artvon Kalender- und Praktikenmacher an, die wie ihr bedeutend-ster Vertreter, Johann Fischart, in ihrer Stellung zur Volks-kultur noch nicht richtig erkannt sind.35) Ihre Haltung zwischenBejahung und Verspottung ist seelisch unentschieden gewesen;was freilich nichts gegen den Quellenwert ihrer Schriften aussagt.

Psychologisch viel weniger kompliziert und dennoch in ihrerwissenschaftsgeschichtlichen Stellung noch unbeachtet ist dieSagenliteratur der Zeit. Das 16. Jahrhundert unterscheidetsich mit seiner Vorliebe für die Sammlung von mündlichen undschriftlichen Erzählüberlieferungen weitgehend vom Mittelalter.Es verfolgt wohl keine wissenschaftlichen, sondern vorwiegendunterhaltende Zwecke, bietet aber immerhin damit vielfach dieältesten Fassungen verschiedener Sagen und Schwänke. Allerdingsstellen fast alle derartigen Aufzeichnungen in Österreich Sonder-fälle vor, und zwar infolge einer meist vorhandenen Beziehungzum Streit der beiden Bekenntnisse.

Die wichtigste derartige Aufschreibung, die vermutlich indiesem Zusammenhang steht, ist jedenfalls die Abfassung der

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