sind. Der anregendste von ihnen, der zu Wien in enger Beziehungstand, hat freilich seine weitgespannten Absichten nur zum ge-ringsten Teil ausführen können: Konrad Celtis hat wohl denPlan einer ,, Germania" entworfen, aber 1502 nur einen Ausschnittdaraus über Nürnberg veröffentlicht.23) Sein Epitaph von 1508 amWiener Stephansdom bezeugt den zu frühen Tod eines Mannes,der sich in seinen ,, Amores" und besonders im vierten Buch seinerOden 24) schon sehr gut in das Wiener Leben hineingefundenhatte und auch die Begabung zu einer Darstellung über die schongemachten kritischen Bemerkungen hinaus besessen hätte.
Celtis ist aber bereits ein Mann des Zeitalters Maximi-lians I. Wie dieser erste Kaiser der Neuzeit auf alle Gebieteder Kunst und der Wissenschaft anregend wirkte, so tat er esauch für das so gut wie nicht vorhandene, jedenfalls noch un-benannte Gebiet der Volkskunde. Aus seinem engsten Kreis istjedenfalls ein, freilich nur geringer, Ersatz für einen Teil desPlanes Celtis' hervorgegangen, nämlich die„, Austria" seines Leib-arztes und Archivars Johann Spießheimer, genanntCuspinianus, eines geborenen Schweinfurters, 1473-1529.25)Diese österreichische Vaterlandskunde, die nicht zuletzt auf denEinfluß des bedeutenden Klosterneuburger Propstes Georg II.Hausmanstetter zurückgeht, 26) umfaßte wie EbendorfersGeschichte die ganze Entwicklung Österreichs bis zur Gegenwartdes Historikers. Von nachhaltigerer Bedeutung als Cuspinianwurde der gleichfalls noch dem Zeitalter Maximilians entstam-mende Wiener Arzt und Historiker Wolfgang Lazius.27)Seine ,, Vienna Austriae" von 1546 ist eine ausgesprochen volks-tümliche Geschichte Wiens, in der sich besonders die ältest be-zeugten Wiener Sagen in Verbindung mit der Aufzählung derHauszeichen erwähnt finden.
Der Weg dieser Historiker führte aber gleichwohl von demder Volkskunde ab. Ihr Heimatbewußtsein und die gelegentlicheAufnahme volkstümlicher Züge ist nicht der bewußten Sitten-beschreibung der ersten deutschen Völkerkundler gleichzusetzen.Ein Johannes Boemus Aubanus 28) oder ein SebastianFranck 29) erwuchsen in den freien Reichsstädten des deutschenSüdwestens, nicht aber im fürstenstaatlichen Österreich. Nichteinmal die sittenschildernde Kunst der Reichsstädte fand hiereinen ebenbürtigen Widerhall. Trachtenbilder wie die Dürersfür Nürnberg sind in Wien nicht entstanden. Ohne den vollenAbstand des Bewußtseins gestalteten nur einige Maler der Donau-schule in den gleichen Jahrzehnten auch volkstümliche Erschei-nungen, so beispielsweise Albrecht Altdorfer 1520 diebäuerlichen Figuren auf der Tafel der Wunderquelle des Altaresvon St. Florian.30) Auch der Alltagsgestalten in den Wunder-
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