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Geschichte der österreichischen Volkskunde
Entstehung
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und Heiratsorakel auch heute nur auf österreichischem Gebiet indieser Form bekannt sind. Seine Leser verstanden ihn wohlebenso wie seine Zuhörer: Ebendorfer hat die gleichen Beispielefür Angangsglauben nicht nur in seinem Traktat, sondern auch inPredigten verwendet.¹¹) Als Historiker hat er dann weitere Be-obachtungen aus dem Volksleben aufgezeichnet, 12) wodurch seinGeschichtswerk, das ,, Chronicon Austriacum" von 1463, bereits aufdie Zeit der volkskundlich interessierten Historiker der Hoch-renaissance vorausweist.

Ein jüngerer Wiener Zeitgenosse Ebendorfers, der Propst zuSt. Dorotheen Stephan von Landskron( Stephanus Lanz-kranna), bearbeitete noch einmal das gleiche Thema wie Eben-dorfer selbst, nämlich die zehn Gebote mit Exkursen über denAberglauben.13) Seine Erklärung des Dekalogs, Die Hymel-strass", Augsburg 1484 zuerst gedruckt, enthält in den Ausfüh-rungen zum ersten Gebot eine ähnliche Aberglaubensstelle wieEbendorfers Traktat, jedoch mehr nach den zeitgenössischenGewissensspiegeln gearbeitet. Es ist der letzte Beleg dieser volks-tümlichen theologischen Richtung, die noch spätmittelalterlichenGeist atmet.

Die weiteren Anstöße gehen bereits von der durchaus un-mystischen Frührenaissance italienischer Art aus. Die Briefe einesLandfremden, des Sekretärs Kaiser Friedrichs des Viertenund späteren Papstes Enea Silvio Piccolomini, als PapstPius II., sind das erste und wichtigste Zeugnis dieser Richtungund gleichzeitig einer der bedeutendsten Anstöße in sitten-beschreibender Art. Die Schilderung Wiens und des WienerVolkslebens in dem berühmten Brief vom April 1438 gibt bisheute den besten Einblick in das volkstümliche Leben der Zeit.14)Die Bemerkungen über die Häuser, ihre Heizbarkeit, die Sing-vögel darin, über die Eẞfreude der ,, unteren Volksschichten" undihre Lust am Feiern der Feiertage und manches andere wurdenimmer wieder nachgeschrieben. Die Stoffe anderer Briefe EneaSilvios, das Lob des Landlebens in dem Brief aus Bruck an derMur vom 13. November 1444,15) oder die Klage über das Elend derHofleute in dem vom 30. November desselben Jahres 16) sindjedoch volkskundlich kaum weniger bedeutsam.

Ebenfalls aus der Umgebung Kaiser Friedrichs III.( IV.)stammt ein weiteres Zeugnis zur Wiener Lebensart, das einanderer Landfremder in durchaus nicht humanistischem Geistabgelegt hat: Das, Buch von den Wienern" des Söldners undMeistersingers Michael Beheim, 1462 bis 1465 erlebt undniedergeschrieben.") Das verhältnismäßig selten herangezogene,freilich auch nicht gut lesbare umfangreiche Reimwerk enthältzahlreiche Hinweise auf den deutschen Volksglauben, mit dem

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