der Muttergottes in Italien seit Anfang des 15. Jahrhunderts. Auch die Granatäpfelauf den Voluten des Thrones können als Gleichnis des Kreuzestodes Christi auf-gefaßt werden. Die Inschrift auf dem aufgeschlagenen Buch lautet ,, dilectus meusmihi et ego illi"( Hohes Lied 2, 16). Diese Darstellung kann als eine der vielenVariationen des gerade im späten 15. und 16. Jahrhundert beliebten Themas derCompassio Mariae interpretiert werden. Ein Terminus post ergibt sich ingewissem Sinn dadurch, daß das Architekturdetail der Thronkonsolen in seinerweiten und zugleich gedrückten Form erst bei der Laurenziana Michelangelos vor-kommt, der sie an der Laterne der Kuppel von St. Peter wiederverwendete. IhreVerbreitung durch Serlio läßt dieses Motiv um 1540 auch im Hausmöbel auf-treten( 6). Man kann also annehmen, daß das Wiener Gnadenbild oder sein Vorbilddie Kopie eines vermutlich verehrten Marienbildes vom Typus der Eleousa in tronoist, die nach dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts( Eindringen der Kompositionmit dem für die Niederlande typischen Detail des Teppichs in Italien, Auftretender Volutenform) entweder in Oberitalien von einem unter niederländischem Ein-fluß stehenden Maler oder von einem Romanisten in den Niederlanden selbstangefertigt wurde. Die letztere Version ist aus formalen Gründen möglich, auskultgeschichtlichen Gründen wahrscheinlicher.
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Lit.:( 1) Vgl. oben bei„ S. Maria della Bruna" Ikonographie Nr, 1, 3, 5, 6, 7.( 2) V. Lasareff, Studies in the Iconography of the Virgin( The Art Bulletin1938, 37 ff.).( 3) R. Jaques, Die Ikonographie der Madonna in trono in derMalerei des Dugento( Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in FlorenzV, 1937/40, 50).( 4) W. Bode, Ein altpersischer Teppich( Jahrbuch der Preußi-schen Kunstsammlungen XIII, 1892, 27).( 5) R. Bauerreiß, Arbor Vitae, München1938, 111.( 6) W. Bode, Die italienischen Hausmöbel der Renaissance, o. J.,Abb. 43.
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Geschichte und Verehrung: Daten zur Geschichte und Herkunft archi-valisch zu erlangen, war in Wien nicht möglich. Das Archiv der Wiener Ordens-niederlassung der Jesuiten ist seit 1783 verloren. Wahrscheinlich wurde das Bildvon den Jesuiten nach 1554( Übergabe der Kirche am Hof und Errichtung desProfeẞhauses) nach Wien gebracht. Es wurde dann im Profeßhaus verehrt, wie dieUnterschriften der kleinen Andachtsbilder beweisen( vgl. bes. das von J. W.Heckenauer gestochene). Anfang des 19. Jahrhunderts dürfte das Gnadenbild anseine heutige Stelle gekommen sein( Errichtung des Altares durch J. Käßmann).Dieses unter dem Titel„ Mater gratiae" verehrte Bild kultgeschichtlich weiter zuverfolgen, ist unter den gegebenen archivalischen Umständen ohne Erfolg geblieben.Es kann nur angenommen werden, daß es aus der niederländischen Ordensprovinzder Jesuiten im Zuge der Gegenreformation nach Wien kam( 1), nachdem einMarienbild dieses Typus in Italien innerhalb des Jesuitenordens nach frdl. Mit-teilung von Prof. P. Kirschbaum in Rom nicht vorhanden ist. Die Kopien in Nieder-österreich zeigen nur in einem Fall einen ordensmäßigen Zusammenhang, jedochsind Ausstrahlungen bis nach Slowenien festzustellen( 2)( St. Johann a. d. Drau).Die Verbreitung durch den Jesuitenorden scheint auch dadurch gegeben, daß sichim Jesuitenkolleg in Tyrnau( gegründet 1635) ein Gnadenbild desselben Typusbefunden hat, wie das kleine Andachtsbild( von J. Mansfeld gestochen) in derSammlung J. Klar in Wien beweist.
18191 Lit.:( 1) J. Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im116. Jahrhundert, I, Freiburg i. B. 1907, 66 ff.( 2) Stelé, Abb. 25.( 3) Maurer-Kolb 28.( 4) Gugitz, Andachtsbild, 127.( 5) Gugitz, Gnadenstätten, I, 26.1
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